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Kirche "St. Pius" in Waldfenster
Betritt man das Gotteshaus in Waldfenster ist man seltsam berührt. Berührt, weil man ausgehend vom äußeren Erscheinungsbild im Inneren eine typische katholische Kirche erwartet, mit einem romantischen Altar, mit vielen Apostel- oder Heiligenfiguren versehen, mit ein wenig Prunk und Gold behaftet.
 
St. Pius allerdings ist eine Kirche, die den Charme und Geschmack der 60er Jahre widerspiegelt. Man erkennt sehr deutlich den Einfluss des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 – 1965), in dessen Mittelpunkt die Anpassung der Kirche, der Liturgie und letztendlich auch der Kirchenbauten an die moderne Welt stand.

Man befindet sich in einem nüchternen Betonbau mit Holzdecke, einfach und zweckmäßig eingerichtet, Licht durchflutet und ohne irgendwelchen Schnickschnack. Einzig ein paar bunte Bilder, Kunstdrucke von Pfarrer Sieger Köder, zieren die Wände. Rund 450 Personen finden auf den einfachen Holzbänken, die in zwei Seitenschiffe und ein Mittelschiff aufgeteilt sind, Platz. Unwillkürlich bleibt der Blick am Altarraum, der sich in der Mitte des Gotteshauses befindet, hängen. „Drei Bankgruppen umschließen den Altar in der Mitte, hinter dem sich vor einem Wandteppich mit dem Bild des auferstandenen Christus der Tabernakel befindet“, so beschreibt Gisela Schmitt in ihrer aus dem Jahr 1992 stammenden Dorfchronik den Altar des so genannten neuen, modernen Gotteshauses. Inzwischen ziert die Wand links neben dem Wandteppich ein weiteres Kreuz. Das hat der Waldfensterer Elmar Schmitt Mitte der 90er Jahre angefertigt, wobei der Holzkorpus Jesu aus Langenleiten stammt, erzählt Kirchenpfleger Hans-Peter Jörg. Das Holzkreuz wurde angebracht, wohl ebenso wie die Marienfigur, die sich auf der anderen Seite neben dem Wandteppich befindet, um dem Altarraum wieder etwas mehr liturgische Symbolik und Figuratives zu verleihen. Die Orgel ist auf der Empore platziert, die sich praktischerweise über den Beichtstühlen und der Sakristei erhebt. Nun, nicht jedermann fühlt sich hier im Gotteshaus St. Pius wirklich zu Hause, aber nach über 40 Jahren haben sich die Waldfensterer mit diesem architektonischen Experiment arrangiert und viele Gottesdienste, Kirchenfeste und Konzerte darin gefeiert und erlebt. Inzwischen ist das Gotteshaus St. Pius nicht mehr ganz so neu und modern sondern absolut renovierungsbedürftig. Da allerdings die Kosten einer grundlegenden Sanierung die eines Neubaus bei weitem übersteigen würden, haben sich die Verantwortlichen dafür entschieden, das 60er Jahre Gotteshaus abzureißen und eine neue, den ökonomischen und ökologischen Anforderungen der heutigen Zeit entsprechende Kirche mit gut 240 Sitzplätzen zu bauen. Der Baubeginn mit Abriss ist für 2010 geplant.
Doch zurück in die Gegenwart. Links neben dem Altar findet man einen Durchgang, der in die alte Waldfensterer Kirche „Mariä Himmelfahrt“ führt. Erstaunt bleibt man erst einmal stehen, denn man taucht in eine ganz andere Welt und Zeit ein. Man blickt in eine im Barockstil gehaltene Kirche, die 1804 von dem Architekten Fischer von Würzburg und dem Landbaumeister Michael Brüder aus Bad Königshofen auf den Fundamenten der ersten Steinkirche Waldfensters errichtet wurde. Der Hauptaltar zeigt ein großes Gemälde, auf dem „Mariä Himmelfahrt“ abgebildet ist. Noch heute trägt die Pfarrei in Waldfenster diesen Namen und feiert am 15. August das Patronatsfest. Links und rechts neben dem Gemälde sind die Heiligenfiguren St. Wendelin und St. Sebastian als Plastiken platziert, die, den Aufzeichnungen von Josef Wabra zu Folge, in der Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden sein müssten. Über dem Gemälde ist die Dreifaltigkeit versinnbildlicht, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Besonders prächtig ist auch der Nebenaltar gestaltet, der mit seiner ebenfalls aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammenden Kreuzigungsgruppe mit Jesus, Maria und Johannes im Verzeichnis der Kunstdenkmäler Bayerns enthalten ist. Weiterhin findet man in der alten Kirche eine sehr prächtige Kanzel, ein schönes Taufbecken, ein restauriertes Friedhofskreuz vom Grab des Pfarrers Johann Trapp sowie viele liturgische Utensilien und an den Wänden die Bilder mit den Kreuzwegstationen.
Für die Niederschrift in ihrer Dorfchronik hatte Gisela Schmitt 1992 in Erfahrung gebracht, dass Pfarrer Kilian Zier 1936 neben dem Chorraum der alten Kirche eine eigene Sakristei anbauen und 1938 die beiden Altäre sowie die Kanzel renovieren ließ.
In „Mariä Himmelfahrt“ finden derzeit rund 80 Personen Platz, früher müssten es nach Auskunft des Kirchenpflegers gut 120 Personen gewesen sein. Die alten, nostalgisch wirkenden Kirchenbänke mit hochklappbaren Kniebänken stammen ursprünglich aus der Oehrberger Kirche und wurden Mitte der 70er Jahre in Waldfenster eingebaut. Dass im hinteren Teil der alten Kirche eine Orgel installiert war, ist nicht zu übersehen. Allerdings wurde, nachdem die Orgel in der neuen Kirche ihren Platz gefunden hatte, die Empore auf die heutige Größe zurückgebaut, weiß Kirchenpfleger Hans-Peter Jörg zu berichten. Heute nutzen die Waldfensterer ihre alte Kirche vorwiegend für Tauffeiern und kleinere Andachten. Natürlich bleibt „Mariä Himmelfahrt“ von den kommenden Baumaßnahmen nicht unberührt. Die zuständige Behörde hat verfügt, da die alte Kirche unter Denkmalschutz steht, diese fachgerecht zu restaurieren und mit dem Neubau zu verbinden. Wie stellen sich nun die Waldfensterer vor, beide Kirchen entsprechend zu nutzen? Derzeit ist geplant, dass die „normalen“ Gottesdienste werktags, Tauffeiern und Hochzeiten in „Mariä Himmelfahrt“ stattfinden, erzählt die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Marion Wenzel, und Hochfeste sowie größere Feierlichkeiten im Neubau zelebriert werden.
Der Vollständigkeit halber darf die früher datierte Geschichte der Waldfensterer Kirchen nicht unerwähnt bleiben. Zieht man Giselas Schmitts Ausführungen zu Rate, erfährt man, dass Waldfenster anfangs nur eine aus Holz gebaute Kapelle besaß, die bei dem historischen Bauhof gestanden haben soll. 1741 wurde eine erste Kirche aus Stein erbaut, die aus der wohltätigen Spende eines Schäfers finanziert werden konnte. Allerdings haben die beiden Baumeister nach unterschiedlichen Prinzipien gearbeitet, so dass beim Aufrichten der Kirche bereits erste Baumängel zu Tage traten. Im Laufe der Jahre drohte das Kirchlein einzustürzen, so dass der Pfarrer genötigt war, 1802 die alte Kirche bis auf die Fundamente abzutragen und eine Neue zu bauen. Als Bauplatz wurde der Hang oberhalb der Gemeindeschenkstatt gewählt, so dass die Kirche mit ihrem Zwiebelturm gut sichtbar den Mittelpunkt des Dorfes bildete.
 
Wissenswertes zur Pfarrei „Mariä Himmelfahrt“: 
In der Pfarrei leben rund 800 Einwohner, um die sich in erster Linie Diakon Michael Schlereth als Ortsgeistlicher kümmert. Dem acht Mann starken Pfarrgemeinderat steht bereits seit mehreren Jahren Marion Wenzel vor, die auch der Pfarreienkonferenz anleitet. Als Kirchenpfleger ist Hans-Peter Jörg aktiv. Als besondere Herausforderung wird sich in den kommenden Jahren die Bauvorhaben rund um die Waldfensterer Kirchen gestalten, wobei die Vorfreude auf ein neues, schöneres Gotteshaus überwiegt.
 
Text und Fotos: Kathrin Kupka-Hahn
Fotos: 
Altarraum der Kirche, als dessen Namenspatron Pius X. verzeichnet ist. 
Ein Blick in die alte Kirche „Mariä Himmelfahrt“ 
Die Außenansicht der Waldfensterer Kirche. Turm und Westfassade der heutigen Kirche stammen aus den Jahren 1741-1747. Über dem Hauptportal ist eine Madonna mit Kind aus weißem Sandstein platziert, die als Patronin der (alten) Kirche hier ihren Platz fand. 
Das Altarbild