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Kirche "St. Blasius" in Katzenbach
Die Katzenbacher Kirche birgt einen großartigen Schatz. Nun besteht dieser nicht aus Gold und Edelsteinen, auch kein besonders wertvoller historischer Fund steckt dahinter. Es ist schlicht und einfach die Seele, die Verbundenheit und das Opfer der Katzenbacher, was diesen unbeschreiblichen Schatz ausmacht.
 
1956 wurde die heutige Kirche St. Blasius gebaut, finanziert haben ihn vorwiegend die Bürger von Katzenbach. Der damalige Bürgermeister Wilhelm Schramm zog 1955 gemeinsam mit Pfarrer Gerhard und Kirchenpfleger Engelbert Metz, dem so genannten „Heiligenmeister“, von Haus zu Haus und warb für den Kirchenneubau, weiß Robert Metz zu berichten. Damit verbunden war der konkrete Spendenaufruf, einen Obolus in Höhe von 500 D-Mark pro Familie zu entrichten, da weder die Diozöse noch die Gemeinde den Kirchenneubau finanzieren konnten. Etliche Katzenbacher Bürger konnten so viel Geld nicht aus eigenen Mitteln aufbringen und nahmen sogar Kredite auf, um sich am Kirchenneubau geldlich beteiligen zu können.
Doch wie kam es dazu, dass die Bürger von Katzenbach ihre Kirche quasi selber bauen mussten? Hierzu ist eine weitere Reise in die Vergangenheit, auf den Spuren der Pfarreizugehörigkeit erforderlich. Katzenbach war ursprünglich, so die Schilderung von Robert Metz, Klosterdorf von Frauenroth. Das belegt unter anderem eine Urkunde aus dem Jahr 1331, in der verfügt wurde, dass die vom Kloster übernommenen Leibeigenen von Katzenbach an das Haus Henneberg-Aschach zurückfallen sollen. Mit Auflösung des Klosters Ende des 16. Jahrhunderts wurde Katzenbach für ungefähr 200 Jahre nach Stralsbach eingepfarrt. Als Beleg hierfür erwähnt Robert Metz den Grabstein der „tugendsamen Anna Schneiderin“, der heute noch in Stralsbach auffindbar ist. Als 1794 Poppenroth zur selbstständigen Pfarrei erhoben wurde, hat man Katzenbach dort als Filiale angegliedert. Im Zuge der Gebietsreform und der Zusammenlegung der Dörfer zum Markt Burkardroth 1972 wurde Katzenbach wieder zu Stralsbach zugehörig. Seit 1980 zählt Katzenbach als Filiale zu Waldfenster. Dieser kurze geschichtliche Abriss zeigt auf, dass Katzenbach zu keiner Zeit eigenständige Pfarrei war. Umso verständlicher, dass die Bürger nach Jahrhunderten der Wanderschaft, wenn man den Besuch der Gottesdienste betrachtet, eine eigene Kirche im Dorf haben wollten.
Im Jahr 1714, so ist es belegt, wurde die erste Kirche in Katzenbach gebaut. Das Holz hierfür bekam man, da die Gemeinde Katzenbach (im Übrigen bis heute!) keinen eigenen Wald besaß, aus dem fürstbischöflichen Wald zu Verfügung gestellt. In seiner Festschrift „30 Jahre Neue Kirche Katzenbach“ schreibt Robert Metz 1986 : „Das Kirchlein hatte nur eine Länge von 9,65 m, eine Breite von 5,60 m und eine Traufhöhe von 4,30 m“. Da sich das Dorf in zwei Jahrhunderten zusehends vergrößert hatte, reichte der Platz zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr aus und ein Kirchenneubau wurde ins Auge gefasst. 1912 gründeten die Katzenbacher einen Kirchenbauverein, der sein Vermögen sowohl 1923 zur Weltwirtschaftskrise als auch 1948 bei der Währungsreform einbüßen musste. So kam es, dass Bischof Julius Döpfner 1950 bei einem Besuch des Dorfes anmerkte, die Kirche sähe aus „wie der Stall von Bethlehem“.
Wenn man heute die Kirche St. Blasius in Katzenbach betritt, ist man überrascht, dass diese erst 53 Jahre alt ist. Man steht in einem schlichten Kirchenbau, der in seiner Geradlinigkeit und Einfachheit besticht. Im Inneren befinden sich neben dem prächtigen Altar auch glanzvolle Heiligenfiguren und wertvolle bildliche Darstellungen, die eine lange Kirchengeschichte vermuten lassen, auch wenn es sich dabei „nur“ um die wechselhafte Pfarreizugehörigkeit handelt. Pfarrer Kullmann (war von 1942 bis 1962 Pfarrer in Waldfenster) vermutete, dass der Hochaltar im Rokokostil mit Kreuzigungsgruppe im Kloster Frauenroth eingebaut war. Die Bamberger Kunsthistorikerin Christine Schweikert wiederum hat 1996 in ihrer Dissertation recherchiert, dass der prächtige Hochaltar zu Beginn des 17. Jahrhunderts von der Schnitzerfamilie Johann und Hans Georg Brenk aus Bad Windsheim geschaffen worden ist. Wie er allerdings vom Kloster Frauenroth nach Katzenbach gekommen ist, ist nicht bekannt. Bemüht man Phantasie und ein wenig geschichtliches Hintergrundwissen, kommt man unwillkürlich zu dem Schluss, dass der Altar, ähnlich wie die „Lächelnde Madonna“ in Lauter, während der Bauernkriege und Plünderungen im 17. Jahrhundert seinen Weg nach Katzenbach genommen hat. Man vermutet, dass die erste Katzenbacher Kirche 1714 für diesen Altar gebaut wurde. Beim Einbau in die Neue Kirche musste er allerdings etwas zurückgebaut worden, da er in seiner Gesamtheit nicht hinein passte. Als weitere Besonderheit am Altar ist unterhalb vom Altartisch ein gemaltes Antependium, ein Drehbild, zu sehen. Auf der Vorderseite sind die drei Frankenapostel Kilian, Totnan und Kolonat abgebildet. Während der Fastenzeit wird das Bild der Rückseite gezeigt, auf dem die schmerzhafte Mutter Gottes dargestellt ist.
Links neben dem Altarraum sieht man, so Robert Metz in seiner Festschrift, „eine sehr schöne, anmutige und lebhaft bewegte“ Madonnenfigur, die wahrscheinlich um 1750 von einem Schnitzer aus Unterebersbach bei Bad Neustadt angefertigt wurde. Der Strahlenkranz wurde im Nachhinein angebracht.
Das Bild des Namenspatrons St. Blasius befindet sich rechts neben dem Altarraum. Man nimmt an, dass es von einem Katzenbacher mit Namen Hans Metz 1723 gemalt wurde. Einen hohen Kunst historischen Wert hat das aus der Zeit des Rokoko stammende Stoffmosaikbild „Die Enthauptung des hl. Johannes des Täufers“. Bei dessen Anfertigung wurden Köpfe und Hände der Figuren mit Aquarellfarben auf Pergamentpapier gemalt und ausgeschnitten, während die Kleider und das Ambiente wiederum aus bunten Seidenstoffen angefertigt wurden. So entstand ein dreidimensionales und sehr figürliches Kunstwerk, das sogar im Kunstkalender registriert ist. Ein weiteres wertvolles Gemälde „Die Geburt Christi“, dass vermutlich von einem italienischen Künstler gemalt wurde, ziert die Katzenbacher Kirche, ebenso wie die Figur des Judas Thadäus, eine Schnitzarbeit aus Oberammergau, gestiftet von Pfarrer Wills Schwester. Die Figur des Hl. Josef darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, denn diese hatte eine Flüchtlingsfrau, die etliche Jahre nach dem 2. Weltkrieg in Katzenbach lebte, der Kirche gestiftet.
Musikalisch werden die Gottesdienste in St. Blasius mit dem Harmonium begleitet, während auf den Sitzbänken gut 200 Personen Platz finden.
Katzenbachs Kirche ist das Herz des Dorfes. Dieser Satz gilt heute noch genauso wie früher und die Katzenbacher sind stolz darauf. Am 15. August 1956 weihte der stellvertretende Bischof, Generalvikar Dr. Fuchs, den Kirchenneubau mit den Worten ein „ Eure Liebe, euer Gottessinn und euer Opfer sind der Mörtel, der dieses Haus zusammenhält“. 
 
An dieser Stelle bedanke ich mich sehr herzlich bei dem Katzenbacher Robert Metz, der neben Ewald Metz vom Pfarrgemeinderat, trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen den Weg und die Zeit gefunden hat, mir von der Kirche, vom Kirchenneubau sowie Geschichtliches von Katzenbach zu erzählen. Auch Robert Metz ist wie „seine“ Kirche ein richtiger Schatz.
 
Wissenswertes zur Kirchengemeinde St. Blasius:
Ursprünglich hieß die Kirche „Johannes Enthauptung“, da aber die Lauterer Kirche schon diesen Namen trug, wurde das Katzenbacher Gotteshaus St. Blasius genannt. Das Patrozinium wird am 3. Februar gefeiert. Zur Gemeinde Katzenbach zählen rund 400 Einwohner. Dem siebenköpfigen Pfarrgemeinderat steht Ulrike Emmert vor, während Monika Metz als Kirchenpflegerin eingesetzt ist. Seit über 15 Jahren werden in St. Blasius Kindergottesdienste veranstaltet, daneben ist das Team um Frau Emmert vorwiegend im Bereich Jugend- und Seniorenarbeit engagiert.
 
Text und Fotos: Kathrin Kupka-Hahn

Fotos:
 
Ein Blick in das Innere, in den Altarraum von St. Blasius in Katzenbach. 
Das Stoffmosaikbild aus der zeit des Rokoko versinnbildlicht „Die Enthauptung des hl. Johannes des Täufers“. 
Eine Außenansicht von der Kirche im Herzen des Dorfes Katzenbach.