Anzeige: AAAKontrast Kontrast
Kirche "St. Antonius" in Gefäll
Als vor einigen Jahren, am 12. Oktober 1998 um 18.28 Uhr der Blitz in die Gefäller Kirche „St. Antonius“ einschlug, zersprengte er die Turmkugel und riss, den Aufzeichnungen von Pfarrer Hauck zufolge, das Turmkreuz los. Daneben wurde der Kirchturm beschädigt und die elektrischen Anlagen für Glocken, Läute- und Uhrsteuerung sowie die Schaltanlage in der Sakristei in Mitleidenschaft gezogen. Rings um die Kirche wurden in mehreren Häusern elektrische Geräte ramponiert.


Sogar die Trafostation hielt dem Einschlag nicht Stand und wurde außer Betrieb gesetzt. Ein Schreckenstag für die Gefäller, zumal in den darauf folgenden sechs Wochen, so lange dauerte die Reparatur, keine Kirchenglocke läutete und auch die Kirchturmuhr nicht funktionierte. Die Zeit schien damals stehen geblieben. Aber die Gefäller haben an diesem Abend im Oktober 1998 auch Glück gehabt, dass ihre „Schatzkiste“, ihre Kirche nicht zerstört wurde.

Beim Eintritt in das Gefäller Gotteshaus bleibt man erst einmal stehen und lässt die vielen Kunstschätze, die Heiligenfiguren, bleiverglasten kunstvollen Fenster und den prächtigen Altar auf sich wirken. Stück für Stück erfasst man, welche Kostbarkeiten sich hier im Innern der, von Außen ganz normal und durchschnittlich wirkenden, Kirche verbergen. Zwar wurde das Gotteshaus 1977/78 umgebaut und um zwei Seitenschiffe erweitert, doch die Bauherren haben unter Anleitung des Architekten Matl aus Schweinfurt eine gelungene Verschmelzung von Alt und Neu geschaffen. Erst nach und nach bemerkt man, was zur alten Kirche gehörte und was neu dazu gekommen ist. Die Pfarrgemeinde und Pfarrer Hauck haben, den Erzählungen von Kirchenpfleger Hartwig Voll zu Folge, besonderen Wert darauf gelegt und regelrecht darum gekämpft, dass ihr Kleinod in seiner Gesamtheit weitestgehend erhalten bleibt.

Zunächst ist man von dem Hochaltar fasziniert, den der Würzburger Bildhauer Heinz Schiestl geschaffen hat und der im fünfseitigen Altarraum mit zwei großen Fenstern wohl platziert zur Geltung kommt. Das Meisterstück, das einerseits mit seinem klaren Aufbau und andererseits durch seine goldene Verzierung und durch die Prächtigkeit im Detail besticht, wurde 1909 aufgestellt, nachdem man den ursprünglichen Altar entfernt hatte. Den Hochaltar ziert eine Kreuzigungsgruppe, die neben dem Gekreuzigten seine Mutter Maria sowie Johannes, den Jünger Jesu, darstellt. Links neben dem Tabernakel befindet sich ein Relief, das den Namenspatron der Kirche, den Hl. Antonius von Padua, mit dem Jesuskind zeigt. Als Pendant dazu versteht sich das rechte Relief mit dem Hl. Franziskus, vor dem der Gekreuzigte als Vogel erscheint. Die beiden Fenster bringen Tageslicht in den Altarraum und sind mit den Darstellungen „Herz Mariä“ (links) und „Herz Jesu“ als Bleiglasfenster gestaltet. Ursprünglich waren diese beiden ganz normale Kirchenfenster. Es ist überliefert, dass die Kirchgänger auf der Empore durch die Fenster hinaus ins Freie schauten, statt dem Geschehen in der Kirche Aufmerksamkeit zu schenken. Das veranlasste den damaligen Pfarrer dazu, ungefähr nach dem 2. Weltkrieg, die Fenster mit den bereits genannten Motiven zu verzieren und die ablenkende Aussicht zu beenden. Im Altarraum befindet sich auf der rechten Seite die Kanzel der Kirche, die ursprünglich an einer Seitenwand, die dem Umbau der Kirche zum Opfer fiel, angebracht war. Es ist eine sehr schöne und prächtige Kanzel. Den Schalldeckel zieren Engel, wobei in die Kanzel die vier Evangelisten als kunstvolle Schnitzereien eingelassen sind. Gegenüber der Kanzel ist ein großes Gemälde im Altarraum angebracht, wobei nicht überliefert ist, was es genau darstellt und wer es geschaffen hat.

Die beiden Seitenaltäre, die den Altarraum links und recht abschließen, sind vermutlich ebenfalls von Heinz Schiestl angefertigt worden. Die Altarblätter der Seitenaltäre, Mariä Himmelfahrt (rechts) und Mariä Verkündigung wurden seinerzeit von der ehemaligen Mutterpfarrei Burkardroth gestiftet. Die Heiligenfiguren, die jeweils das Altarbild flankieren, sind nicht katalogisiert und nur anhand der Attribute zu bestimmen. So könnte es sich am linken Seitenaltar einmal um die Hl. Katharina von Alexandrien – Darstellung mit Schwert – und um die Hl. Barbara, die mit einem Kelch abgebildet ist, handeln. Schwieriger wird es, wenn man die Figuren am rechten Seitenaltar benennen möchte. Die linke Figur trägt Schwert und Buch, eine typische Darstellung von Paulus. Daher lässt diese, auch in Anbetracht, dass Gefäll zur Burkardrother Pfarrei „Petrus und Paulus“ gehörte, die Vermutung zu, dass es sich hierbei um Petrus und Paulus handelt. Der Altartisch, Ambo und Sitzgelegenheiten wurden mit dem Umbau der Kirche erneuert. Damit der Pfarrer auch in den Seitenschiffen, ausgenommen zwei oder drei Sitzplätze im linken beziehungsweise im rechten Eck, zu sehen ist, wurde der Altarraum erweitert und der Altartisch weiter vorne, fast schon im Mittelschiff, platziert.
Ringsum finden sich im Gefäller Gotteshaus viele Heiligenfiguren, deren Herkunft und Entstehungszeitraum nicht bekannt sind. Man müsste das Pfarrarchiv, so Hartwig Voll, aufarbeiten und die Geschichte der Kirche mitsamt ihren Anschaffungen rekonstruieren, was nicht nur viel Zeit sondern auch enormen Sachverstand erfordern wird.

Links neben dem Altarraum, im linken Seitenschiff ist eine Herz-Hesu-Figur angebracht, die ursprünglich Natur belassen als Holzfigur sichtbar war. Leider, so der Kirchenpfleger, hat man sie im Zuge der Kirchenrenovierung an die übrigen, bemalten Plastiken angepasst. Daneben sieht man als Holzfigur die Darstellung des Hl. Josef. Den Abschluss an dieser Wandseite zeigt ein Gemälde „Flucht nach Ägypten“, wie gesagt Maler und Herkunft unbekannt. Im linken Seitenschiff erblickt man wiederum ein bleiverglastes Fenster, dass den Hl. Christopherus darstellt. Dieses war, ebenso wie sein Pendant mit den Hl Michael im rechten Seitenschiff, als Fensterbild an der Ost- bzw. Westseite der alten Kirche angebracht und konnte erhalten werden. Neben dem Fensterbild ist ein weiteres Gemälde von 1710 sichtbar. Dieses stellt die Hl. Birgitta von Schweden dar und wurde vermutlich als Vorlage für das große Deckengemälde, das der Vater von Hartwig Voll, ein Kirchenmaler, geschaffen haben soll, genutzt.

Rechts neben dem Altarraum, im rechten Seitenschiff, befinden sich zwei sehr wertvolle Holzfiguren, die der Überlieferung nach aus einem Stück Holz geschnitzt worden sein sollen. Es handelt sich hierbei um den Hl. Antonius und den Hl. Wendelinus. Im neuen Glanz erstrahlt in der hinteren rechten Ecke, die Marienstatue, die in diesem Jahr von dem Gefäller Künstler und Restaurator Kurt Breitenbach generalüberholt und neu mit Blattgold verziert wurde. Die übrigen Wände werden von den 14 Kreuzwegstationen verziert.

Im Eingangsbereich der Kirche befinden sich linker Hand eine Darstellung der „Schmerzhaften Mutter Gottes“ und daneben eine Gipsplastik des Judas Thadäus. Rechts neben dem Portal ist der Hl. Sebstian angebracht, der den Aufzeichnungen von Josef Wabra zufolge 1770 geschaffen wurde. Viele Jahre haben die Gefäller ihn als Kriegerdenkmal genutzt, bevor ein Separates im Außenbereich der Kirche angelegt wurde. Über dem Eingangsportal erhebt sich die Empore, die beim Kirchenneubau etwas verkleinert und zurück gebaut wurde. Auf ihr ist die Orgel platziert, die 1997 generalsaniert wurde.

In St. Antonius finden heute 340 Personen Platz. Das war nicht immer so. Hierzu muss man wissen, das Gefäll ein kleines und armes Rhöndorf war, das Ende des 16. Jahrhunderts erstmals erwähnt wurde. Die Kirche wurde 1853 bis 1862 gebaut. Im Jahr 1862 spendete die französische Gräfin Behague, die während eines Aufenthaltes auf Schloss Aschach der Gefäller Kirche einen Besuch abstattete und keine Sitzgelegenheit vorfand, das Kirchengestühl. Die ursprünglichen Sitzbänke, mit rund 150 Sitzplätzen, sind heute im Mittelschiff weitestgehend erhalten. Der Stifterin zu Ehren ist eine Inschrift an der ersten Bank, gegenüber vom Altar angebracht.

Wissenswertes zur Kuratie Gefäll:
Gefäll gehörte ursprünglich zur Pfarrei Burkardroth und wurde 1692 der neu gegründeten Pfarrei Premich zugeordnet. Der Grundstein zur Kirche wurde 1853 gelegt, wobei die Münzen, so hat es Josef Wabra in seinem „Führer durch die Kissinger Rhön“ notiert, die am 17.07. in den Grundstein eingemauert worden waren, in der Nacht darauf bereits gestohlen wurden. Der Kirchenbau dauerte neun Jahre, da man die Bruchsteine mit Fuhrwerken aus einem Steinbruch bei Haard heran holte und vieles in Eigenleistung erbrachte. 1907 erhielt Gefäll einen ersten Seelsorger, den Lokalkaplan oder auch „Kuratus“ genannt, Johann Nepomuk Dolpatsch. Heute ist die Gemeindeassistentin Corinna Zipprich vorwiegend für die Seelsorge der rund 620 Einwohner im Ort zuständig.

Der Pfarrgemeinderat besteht aus 8 Personen, angeführt von Doris Rustler. Als Kirchenpfleger ist seit etlichen Jahren Hartwig Voll engagiert. Besonderes Augenmerk liegt in Gefäll auf der ortsübergreifenden Ministranten- und Jugendarbeit unter Anleitung des Oberministranten Markus Kirchner.
Das Patrozinium des Hl. Antonius von Padua feiert man am 13. Juni. Bereits elf Monate nach seinem Tod (1231) sprach Papst Gregor IX. nachdem bis dahin kürzesten Kanonisierungsprozess der Kirchengeschichte Antonius heilig.

Der Hl. Antonius gilt in unseren Breiten „als Schutzpatron der Schlamper“, darüber hinaus als Patron der Liebenden und der Ehe, bei Schiffbruch und in Kriegsnöten sowie für eine gute Entbindung und eine gute Ernte.

Antonius`Patronat für verlorene Sachen geht der Legende nach darauf zurück, dass ein junger Mönch den Psalter (Buch der Psalmen) des Antonius ohne dessen Erlaubnis mitgenommen hatte. Daraufhin wurde er von Erscheinungen heimgesucht, so dass er das Buch schleunigst zurück gebracht haben soll. Noch heute betet man „Heiliger Antonius, Du kreuzbraver Mann, führ mich dahin, wo (die verlorene Sache) sein kann!“.

Text und Fotos: Kathrin Kupka-Hahn

Fotos:
Aussenansicht
Innenansicht des Altarraumes
Fensterbild Hl. Michael
Fensterbild Hl. Christopherus
Bankinschrift