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Kapellen in Wollbach

Die "Sieben-Schmerz-Kapelle"  und das "Glöckle" sind zwei Kapellen in Wollbach.

Das „Glöckle“ – der Dom in Wollbach

„Wollbachs Dom ist weit zu sehen, doch man muss ganz nah dran stehen. Riesengroß ist das Geläut, das Kirchlein wackelt oft vor Freud...“ so lautet eine Strophe aus dem „Lobgesang auf mein Dorf Wollbach“, den Lehrer Ernst Spiegel 1950 verfasst hat. Der Wollbacher Erwin Grom kann sich noch gut daran erinnern, wie er als junger Bursche gemeinsam mit seinen Klassenkameraden zur Schulentlassfeier das Lied zur Melodie „Auf der schwäbsche Eisebahne“ gesungen hat.

Lehrer Spiegel beschreibt mit seinem Lied das „Glöckle“ in Wollbach, eine kleine Dorfkapelle in der Ortsmitte. Sie wurde 1952 vom „Schwarzhans“, dem Urgroßvater von Theo Brandl vom gleichnamigen Baugeschäft in Wollbach, und seinen Leuten gebaut. Zuvor hatte an der gleichen Stelle ein Holz- und Lehmbau gestanden, der 1817 errichtet wurde. Weitere historische Daten zum „Glöckle“ sind nicht überliefert. Im Inneren der kleinen Kapelle befindet sich ein Altar mit einer Herz-Jesu-Figur, die der Stralsbacher Steinmetz und ehemalige Bürgermeister Rudolf Rost geschaffen hat, prächtig umrankt von Efeu. Daneben ist auf der rechten Seite eine Holzplastik der Mutter Gottes angebracht, die den Erzählungen von Siegfried Rüttiger zu Folge, mehr als 100 Jahre alt sein dürfte. An der linken Wand hingegen ist der Hl. Wendelinus platziert, ebenfalls eine Holzfigur, wie in der „Dorfchronik zur 750 Jahrfeier“ aus dem Jahr 1994 nachzulesen ist. Auf dem Giebeldach der Kapelle befindet sich ein so genannter Dachreiter, der die 30 kg schwere Glocke fasst. Diese hing bereits in der vorherigen Kapelle und hat dem kleinen Gotteshaus wahrscheinlich seinen Namen gegeben. Man konnte das „Glöckle“ sogar in Burkardroth läuten hören, erzählt Siegfried Rüttiger, und dann hat man gewusst, dass es in Wollbach brennt oder ein anderer Notfall eingetreten ist. Die älteren Einwohner von Wollbach können sich noch gut an ihre Kindheit erinnern, denn wenn das „Glöckle“ abends läutete, hieß es „alle Mann nach Hause gehen“. Heute wird täglich um 7.00 Uhr morgens, 12.00 Uhr mittags und 18.00 Uhr abends das Ave-Maria geläutet. Außerhalb dieser Zeit zeigt sein Klingen an, dass jemand aus Wollbach verstorben ist.

Da es in Wollbach keine kirchliche Institution gibt, kümmern sich zwei Einwohner, Margot und Siegfried Rüttiger, um die kleine Kapelle. Sie schmücken sie mit Blumen, brennen Lichter an, schließen morgens auf und abends wieder zu und betätigen, wenn jemand gestorben ist, das elektronisch gesteuerte Läutwerk. Sie haben diese Aufgabe von Margots Mutter Rosa Hartmann übernommen. Davor hat sich die Familie Schlereth, die gegenüber vom „Glöckle“ gewohnt hat - heute Rhönstraße 18 – um dessen Pflege gekümmert. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle das Engagement des Wollbachers Werner Schwab, der seit seiner Lehre zum Tüchner in den 60er Jahren das „Glöckle“ in regelmäßigen Abständen immer wieder mit frischen Farbanstrichen versehen hat, innen wie außen. Für das unentgeltliche Wirken von Werner Schwab sowie Margot und Siegfried Rüttiger sind die Wollbacher Bürger sehr dankbar, denn das „Glöckle“ steht Jahr aus, Jahr ein, immer sauber und gepflegt da, wo die Bergstraße und die Brunnengasse in die Rhönstraße münden.

Zum Ende der Ausführungen über das „Glöckle“ sei noch eine weitere Strophe aus Spiegels Wollbachslied zitiert: „In Wollbach gibt`s nur brave Leute! So was trifft man selten heute. Polizei ist arbeitslos! Das kennt man halt in Wollbach bloß.“

Fotos:
Herz-Jesu-Statue geschaffen von Rudolf Rost
Das Glöckle – Außenansicht
Mutter-Gottes Statue im Glöckle

 

 
Text und Fotos: Kathrin Kupka-Hahn
 


Sieben-Schmerz-Kapelle