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Strombeschaffung der Firma Heckelmann

Wie der Strom in die Rhön kam
Die Strombeschaffung der Firma Lorenz Heckelmann


Da die Ortschaft Waldfenster, keinen örtlichen Stromerzeuger wie z. B. die Firma Gebr. Löser in Hassenbach oder das Überlandwerk Vorderrhön in der Pfarrei Burkardroth um 1919 hatte, bekam es erst kurze Zeit später die neue Stromenergie.

Die Kreiselektrizitätsversorgung Unterfranken AG in Würzburg als überörtlicher Stromerzeuger, wurde vom damaligen Kreistag von Unterfranken am 6. Mai 1920 gegründet und breitete sich wegen finanziellen und organisatorischen Schwierigkeiten nur langsam flächendeckend aus. Dennoch konnte Bürgermeister Theodor Kleinhenz von der Ortschaft Waldfenster mit der Kreis- AG, wie sie kurz genannt  wurde, am 20. September 1921 einen Stromlieferungsvertrag abschließen, der eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 1971 beinhaltete.[1]externer Link

Die Firma Lorenz Heckelmann in Waldfenster und ihre Stromerzeugung.
1 Heckelmann Lorenz-1
Die Firma „1. Rhöner Mechanische Holzschuhfabrik“, Inhaber Lorenz Heckelmann wurde im Jahre 1924 gegründet.[2]externer Link Lorenz Heckelmann war am 19.05.1889 geboren und verstarb am 26.07.1970. Seine Ehefrau Ludwina, geb. Schlereth, war am 11.11.1889 geboren und am 13.01.1961 gestorben.

Lorenz Heckelmann, arbeitete vor dem ersten Weltkrieg als Kellner, diesen Beruf hatte er in Frankfurt/Main erlernt. Bereits mit 13 Jahren war er von Waldfenster nach Frankfurt umgezogen, wo auch schon drei seiner Geschwister arbeiteten. Dort hatte er als Kofferträger und Laufbursche im Hotel Frankfurter Hof eine Arbeit aufgenommen, wo er sich im Laufe der Zeit zum Kellner hochdiente.

Er arbeitete dann in verschiedenen Städten im Großraum Hessen sowie während der Wintermonate in der Schweiz. Aber auch in Italien und England war er bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges als Kellner beschäftigt.

Bereits 1914 wurde er zur Infanterie eingezogen und nahm dann an den Feldzügen in Russland, auf dem Balkan und in Frankreich teil. Er wurde während des Kriegseinsatzes zweimal verwundet und hatte die Auszeichnung EK 1 und EK 2 verliehen bekommen. Nach dem Krieg konnte er nicht mehr im Ausland arbeiten. So wie er später erzählte, waren deutsche Kellner und Hotelangestellte in der Schweiz, in Italien und in Frankreich vorerst nicht mehr erwünscht.

Er begann  etwa  im Jahr 1919  bei seinem Schwager Otto Weider in Solingen zu arbeiten, der eine  Kohlenhandlung  in großem  Umfang betrieb. Dort wurde ihm ein LKW anvertraut mit dem er Kohle zu den einzelnen Betrieben fuhr, so auch unter anderem in eine Holzschuhfabrik im westfälischen Raum. Er konnte dort sehen und beobachten, wie Holzschuhe mechanisch produziert wurden, die in seiner Rhöner Heimat Waldfenster ausschließlich von Hand hergestellt wurden.

Er schaute sich diese Produktion genau an, mit dem Gedanken, auch in Waldfenster etwas Ähnliches aufzuziehen, damit er hier in der Rhön Holzschuhe im größeren Umfang und zu günstigen Preisen produzieren konnte.

Bei diesen Überlegungen lernte er auch in Westfalen einen Holzschuhmacher-Meister namens Kraxe kennen. Dieser Holzschuhmacher ermunterte ihn, in der Rhön einen solchen Betrieb aufzuziehen, da sicherlich gute Absatzchancen vorhanden wären. Weiterhin konnte er in Erfahrung bringen, dass es eine Firma Schuermann, Maschinenfabrik in Isselhorst gab, die solche Maschinen zur Herstellung von Holzschuhen baute.

So beschloss er, im Jahre 1922 in seinen Heimatort Waldfenster zurückzukehren, um die Vorbereitungen für eine solche Fabrikation voranzutreiben.

Ein großes Problem war zur damaligen Zeit – 1922 – die Inflation. Bereits seit dem Jahre 1919 und 1920 begann die damalige Währung abzubröckeln. Das heißt, das Geld wurde immer weniger wert. Insbesondere in den Jahren 1922 und 1923 verlor die damalige Währung enorm an Wert gegenüber dem Dollar.

Diese Geldentwertung, bzw. Inflation hatte am 15.11.1923 die Spitze erreicht. Ein Pfund Brot kostete 260 Milliarden, ein Pfund Zucker 250 Milliarden und ein Pfund Fleisch 3,2 Billionen. Der Tageslohn eines gelernten Arbeiters in den großen Städten betrug ca. 3 Billionen. Am 15. November 1923 wurde verordnet, dass ab 16. November 1923 die Reichsmark oder auch Goldmark eingeführt würde. Das Umtauschverhältnis eine Billion Mark 1.000.000.000.000 war gleichgesetzt mit einer Goldmark oder bzw. einer Reichsmark.

Man muss sich nun die schwierigen Verhältnisse vorstellen, die Lorenz Heckelmann in den Jahren 1923 und Anfang 1924 hatte, um überhaupt das Produktionsgebäude zu erstellen. Doch mit der Einführung der Reichsmark hatte man wieder einen stabilen Wert und von da an war es jedenfalls leichter, dass er sein Vorhaben voran treiben konnte.

4 Heckelmann Lorenz links und Rudolf Schlereth














Lorenz Heckelmann und
Rudolf Schlereth
Mit seinem Schwager Ludwig Schlereth, seinerzeit Metzgermeister in Waldfenster, hatte er vereinbart, dass dieser ihm ein Grundstück mit der Flurnummer 812 am Ortsrand Waldfenster oberhalb des heutigen Friedhofes verkaufte. Das Grundstück, das er erworben hatte, war groß genug, um den Betrieb später zu erweitern. Ebenso hatte ihm sein Schwager Ludwig Schlereth bei den Vorbereitungen zum Bau der Produktionshalle sehr geholfen, aber auch aus dem Ort von seiner anderen Verwandtschaft bekam er Hilfe in Form von Arbeitskräften.

Bereits 1923 begann Lorenz Heckelmann mit dem Bau der Fabrikationshalle in der Größe von ca. 18 x 12 m, inklusive einer Trockenkammer und einem Nebengebäude von ca. 3 x 10 m.

Die Baukonstruktion war zunächst eine Art Fachwerkbau, der mit Backsteinen ausgemauert wurde. Dieser Neubau wurde so konstruiert, dass man darin große und schwere Maschinen aufstellen konnte, wobei große Quer- und Längsbalken an der Decke eingezogen wurden, an denen später die sogenannten Transmissionen befestigt wurden.

Es waren mehrere Maschinen notwendig, um diese Holzschuhe herzustellen, z. B. eine große, schwere Kreissäge mit einem Blattdurchmesser von 90 cm, eine große Doppelkopiermaschine und eine große Innenausbohrmaschine aus Isselhorst/ Westfalen.

Alle Maschinen wurden durch eine Haupttransmission angetrieben, woran wiederum drei kleinere Nebentransmissionen hingen. Die Haupttransmission wurde ab Anfangs 1924 durch ein Dampflokomobil angetrieben. Um das Jahr 1927 wurde der Betrieb auf elektrischen Strom umgestellt, d. h. die Haupttransmission wurde durch einen 20 PS starken Schleifringmotor mit Kohlebürsten angetrieben. Angelassen wurde der Motor mittel eines Drehrades in mehreren kleinen Stufen und zwar sehr langsam. Den Strom für diesen Motor lieferte die Kreis-AG aus dem Trafohaus, das damals schon bestand.

Nun beschwerten sich die Leute aus dem Dorf, besonders aus der näheren Nachbarschaft, wenn am Abend das Licht zuckte. Das war immer dann der Fall, wenn auf der großen Kreissäge die schweren Pappel-, und Birkenstämme zu Holzschuhklötzen zugeschnitten wurden. Es gab auch deshalb etliche Diskussionen  zwischen Lorenz Heckelmann und dem Bezirksmonteur Franz Herkert von der Kreis-AG Bezirksstelle in Zahlbach.

In den Jahren 1927 bis etwa 1937 liefen die Motoren vorwiegend in der Nacht. Der Grund war, dass das Kilowatt nachts vier Pfennig und tagsüber 10 Pfennig kostete.

Die Holzschuhe wurden hauptsächlich etwa von Oktober bis in den Monat Mai hergestellt, ab dann mussten die meisten Mitarbeiter im eigenen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb arbeiten, so dass die Produktion an manchen Tagen nicht voll lief.

Im Jahre 1939 kamen einige Leute vom damaligen Bezirksamt sowie von der damaligen Arbeitsfront einer Organisation der NSDAP und forderten Lorenz Heckelmann auf, mehr Holzschuhe herzustellen. Der Grund war einfach der, dass Leder hier in Deutschland knapp wurde und die Bevölkerung, besonders in der Rhön, aber auch in der Industrie und in den Gefangenenlagern Holzschuhe anziehen mussten. Dies war verstärkt ab dem Jahre 1940 der Fall. Etwa ab dem Jahre 1943 musste die Holzschuhfabrik auch an die Rüstungsindustrie im weiteren Umfeld im Rhein-Main-Gebiet, besonders nach Offenbach und auch ins Ruhrgebiet diese Holzschuhe liefern, aber auch für die Reichsarbeitsdienst-Lager mussten sie pro Monat tausende Holzschuhe herstellen. Einen Vorteil hatten die Holzschuhe aber noch, sie waren sehr stabil und ersetzen auch in den Basaltwerken der Rhön den heutigen Sicherheitsschuh.

Es wurde im Krieg zunächst täglich 9 – 9,5 Stunden gearbeitet, ab 1941 mussten die Leute in der Fabrik am Tag 11 Stunden arbeiten und ab 1943 12 Stunden täglich. Die Belastungen für die Mitarbeiter die meist noch Landwirte waren, waren sehr hoch.

Ab Ende 1940 wurde der Strom kontingentiert, war aber doch für die Holzschuhfabrik ausreichend vorhanden. Es wurde allerdings streng darauf geachtet, dass währenddessen der Motor lief, auch alle Maschinen voll im Einsatz waren, die Zeit musste genutzt werden. Diesbezüglich wurden insbesondere von der  inzwischen umbenannten Überlandwerk-Mainfranken-AG Kontrollen durchgeführt. Es wurde geprüft, ob die Maschinen auch tatsächlich währen der Laufzeit des großen Motors ausgenutzt wurden.

Nach dem Einmarsch der Amerikaner 1945, wurde der Betrieb zunächst stillgelegt. Durch den Mangel an Ersatzteilen und dem schlechten Zustand der Treibriemen, war der Betrieb ziemlich heruntergekommen. Der Strom war bereits vor und nach dem Einmarsch der Amerikaner verstärkt kontingentiert und es gab sehr viele lange Stromsperren. Es war also zunächst gar nicht möglich zu arbeiten. Da Lorenz Heckelmann außerdem Mitglied der NSDAP war, wurde der Betrieb sowieso geschlossen.

Mitte Juni 1945 kam ein deutschsprachiger Offizier der US-Army in einem Jeep vorgefahren und wollten den Firmenchef sprechen. Er interessierte sich besonders für die Kopiermaschine, weil er glaubte, dass auf ihr Gewehrschäfte gemacht worden wären. Lorenz Heckelmann verneinte dies und erklärte ihm auch, dass dies auf dieser Maschine gar nicht gehe, sie wäre nur für die Herstellung von Holzschuhen konzipiert.

Der Offizier nahm an der großen Kopiermaschine noch einige genaue Messungen vor und sagte dann zu Lorenz Heckelmann, dass er sofort wieder mit der Produktion beginnen müsse. Er erwähnte, dass die meisten Schuhfabriken in Deutschland kaputt wären und der große Zustrom an Flüchtlingen aus dem Osten müsse mit Schuhen versorgt werden, auch wenn es nur Holzschuhe sind.Johann Höglmeier und Josef Wagner

Heckelmann erklärte, dass dazu nicht genügend Holz vorhanden wäre, außerdem wäre der Treibriemen heruntergewirtschaftet. Auch wären die Spezialmesser und Bohrer dermaßen verbraucht, dass man eine Produktion kaum wieder aufnehmen könnte.

Weiterhin erklärte er dem Offizier, dass der Strom kontingentiert sei und er wüsste gar nicht, wann er Holzschuhe machen sollte, da nur ein paar Stunden am Tag der Strom vorhanden wäre.

Der Amerikaner antwortete ihm, dass er zunächst dafür sorgen müsste, dass der Betrieb wieder läuft. Holz würde ihm ausreichend zugeteilt. Strom würde ihm auch zur Verfügung gestellt bis auf die Zeit zwischen 11. 00 und 13. 00 Uhr täglich. In dieser Zeit durfte nicht gearbeitet werden. Ebenfalls sorgten sie dafür, dass sie für den Antrieb der Maschinen neue Lederriemen bekamen. Die Amerikaner verlangten eine Vollzugsmeldung, d. h. die Inbetriebnahme des Betriebes innerhalb von 3 Wochen.

Nun ging Lorenz Heckelmann und seine beiden Söhne Paul und Helmut daran, die Maschinen wieder herzustellen, was tatsächlich nicht einfach war. Doch bis Ende Juli 1945 lief die Produktion langsam wieder an.
 

2 Heckelmann Paul
















Paul Heckelmann
kaufm. Leiter

3 Heckelmann Helmut
















  Helmut Heckelmann
techn. Leiter

 























Der Strom, den sie brauchten, war zwar vorhanden, doch nicht in der ausreichenden Qualität. Der Spannungsverlust war durch die lange Zuleitung vom Trafohaus und dem geringen Querschnitt der Leitung zu hoch. Was zur Folge hatte, dass nicht alle Motore auf einmal laufen konnten.

Ab Herbst 1945 arbeiteten sie bereits wieder in zwei und ab März 1946 in drei Schichten. Die Holzschuhe wurden in riesigen Mengen gebraucht. Sie wurden ständig vom Landratsamt Bad Kissingen und von der Militärregierung aufgefordert, noch mehr zu produzieren. Die Firma beschäftigte damals alleine in der Holzschuhproduktion 30 Personen. Deshalb wurde die damalige Produktionshalle zu klein und sie erwarben mit viel Mühe von der Gemeinde Waldfenster ein Gelände und begannen bereits 1946/47 mit dem Bau eines neuen Betriebes am derzeitigen Standort.

Produktionsbeginn der Holzwäscheklammern

Nach dem zweiten Weltkrieg begannen einige Firmen Holz-Feder-Wäscheklammern zu produzieren. Zuvor gab es etwa seit 1910 nur die Rundkopfklammer. Auch die Firma Lorenz Heckelmann & Söhne wie sie inzwischen genannt wurde, begann zu diesem Zeitpunkt mit dieser Fertigung. Bei der Herstellung von Holzschuhen fielen große Mengen von kleineren Holzstücken an, aus denen dann die Wäscheklammern hergestellt wurden.

Bereits im Frühjahr 1947 bemühte sich die Firma Heckelmann um eine bessere Stromversorgung. Nach Rücksprache und Beratung durch die Überlandwerk Ufr. AG brauchte sie für ihre Leistung eine Kupferleitung mit einem Querschnitt von 70 mm. Doch trotz Hilfe der Amerikaner war es nicht möglich, diese Kupferleitung zu bekommen, auch nicht gegen Bezugsscheine und Befürwortung durch das damalige Landratsamt.

Zur damaligen Zeit war die Firma Heckelmann auch verpflichtet, Holzschuhe an verschiedene Stahlwerke in den Raum Ruhrgebiet zu liefern, insbesondere in den Raum Essen. Auch hier wurden sie wahrscheinlich als Sicherheitsschuhe gebraucht.

Einem dieser Einkäufer, einem gewissen Herrn Gorges der für mehrere Hochofenbetriebe einkaufte, brachten sie auch ihr Anliegen vor. Ende 1947 kam die Nachricht durch Herrn Gorges persönlich, dass sie die Kupferleitung im ersten Halbjahr 1948 gegen Bezugsscheine bekommen würden.

Nach langen Verhandlungen mit der Überlandwerk Ufr. AG, wurde von dort aus dieses Problem gelöst. Man hatte sich bereit erklärt, diese neue Einspeisung ab dem Trafohaus mit Dachständer und Holzmasten zu errichten, jedoch nur gegen den Eintausch eines neuen 20 KW-Elektromotors, der nun in der Firma stand und als Ersatzmotor diente. Der Vertrag wurde dann abgeschlossen, so dass die Firma etwa ab dem Jahr 1949/50 den neuen verstärkten Stromanschluss im neuen Firmengebäude am  heutigen Standort hatte.

Produktionsbeginn der Plastikwäscheklammern.

Richtfest FirmengebäudeEnde 1950, wurde die Arbeit im neuen Firmengebäude aufgenommen. Durch die Aufstellung neuer Maschinen im Holzbetrieb und die Aufnahme der Produktion von Plastikklammern im Jahre 1958 wurde der Stromverbrauch enorm höher. Durch die Installation von drei Kunststoffmaschinen reichte der Strom nach 1962 nicht mehr aus.

Ein weiteres Problem war der Strompreis. Die Firma fiel noch nicht in die Rubrik „Großabnehmer" und zahlte damals einen sehr hohen Strompreis, zumal alle Elektromotoren in die Grundgebührenordnung fielen.

Firmengebäude 1949Der am 14.1.1926 geborene und am 16.8.2009 verstorbene Firmenteilhaber Paul Heckelmann, teilte im Jahre 1996 dazu folgendes mit:
„Ich erinnere mich noch an die Verhandlungenmit den zuständigen Herren vom Überlandwerk Unterfranken in Würzburg, die einen ziemlich hochmütigen und diktatorischen Ton an den Tag legten. Wir baten um einen billigeren Strompreis, zumal wir hier in der Rhön, weit abgelegen eigentlich von den Hauptkunden im Großraum Frankfurt, Ruhrgebiet und München, wegen dem Zonenrandgebiet schon benachteiligt waren. Man hat sich beim Überlandwerk in Würzburg nicht zu einer Einigung bewegen lassen. Wir waren jedenfalls, was den Strompreis betrifft stark ins Hintertreffen geraten“.

Nun erfuhr die Firma Heckelmann, dass es in der Rhön verschiedene Firmen gab denen es ähnlich erging und deshalb ihre Stromversorgung auf Eigenversorgung umgestellt hatte und zwar mittels sogenannten  Herford-Motoren mit Generatoren. Die Motoren waren preisgünstig und hatten eine lange Lebensdauer. Sie wurden mit Schweröl, sog. Teeröl angetrieben, was verhältnismäßig billig war, 1 kg Schweröl kostete zur damaligen Zeit 0,21 DM. So kamen sie auf einen Strompreis von 0,06 DM je KW Strom. Gegenüber dem Preis, dem sie für den Strom vom Überlandwerk Ufr. mussten, war dies knapp die Hälfte des Strompreises.

Firmengebäude 1960Im Herbst 1961 stellten sie einen solchen Motor mit 75 PS auf. Der Stromvertrag mit dem Überlandwerk Ufr. wurde gekündigt, obwohl sich nach der Kündigung dasselbe Gremium zur Einsicht erklärt hatte, leider war dann alles zu spät. Den Lichtstrom für den Betrieb hat das Überlandwerk Ufr. jedoch noch weiter geliefert. Die Eigenstromversorgung lief sehr gut und zufriedenstellend. Auch stimmten die Herstellungskosten mit denen, die das Lieferwerk genannt hatte, überein.

In dieser Zeit nach fasst 40 Jahren, wurde die Fabrikation der Holzschuhe im Jahre 1963 eingestellt, der Holzschuh hatte ausgedient, er wurde nicht mehr gebraucht. Lorenz Heckelmann hatte das Ende seines Lebenswerkes nicht erlebt, er war im Jahre 1961 verstorben.

Der Verbrauch an elektrischer Energie wuchs durch Aufstellung neuer Maschinen von Jahr zu Jahr, insbesondere auch durch die Aufstellung von Kunststoffmaschinen im neuen Betrieb, so dass sie im Jahre 1965 einen zweiten Herford-Motor aufstellten, jedoch mit der doppelten Stärke von 150 PS. Beide Motoren liefen noch viele Jahre zur vollsten Zufriedenheit, bis auch deren Kapazität zu gering wurde. 

Ein wichtiger Grund für die Stilllegung war dann auch der Ölpreis, der durch die Verknappung des Öls von der OPEC enorm angehoben wurde. Dadurch wurde die Rentabilität der eigenen Anlage auch immer geringer, so dass die Spanne zwischen Selbsterzeugung und Abnahme vom Überlandwerk Ufr. nur noch 2,5 Pfennige betrug.

Das Überlandwerk Ufr. hat sich damals sehr bemüht nun wieder ihren Strom an die Firma Heckelmann zu liefern. Es gab lange Verhandlungen zwischen beiden Parteien, bei denen man sich einigte, dass man den Strom wieder abnahm, jedoch das Recht hatte, jederzeit wieder mit der eigenen Anlage Strom zu erzeugen.

Im Jahre 1978 erstellte die Überlandwerk Ufr. AG eine 20 000 Volt Freileitung mit einer Betonmast-Trafostation für die Fabrik Heckelmann mit einer Absicherung von 400 Ampere. Der Kostenanteil für die Firma betrug ca. 35 000 DM. Somit ist die die Stromversorgung bestmöglich und weitgehend ohne Störungen gesichert. Der heutige Stromverbrauch der gutsituierten Firma, die weltweit ihre Produkte liefert, liegt heute bei ca. 20 000 KW im Monat, damit dürfte die Firma zu einem der größten Stromabnehmer im Markt Burkardroth gehören.

Burkardroth im Dezember 2011
Alfred Saam

Quellen:
Aufzeichnungen von Paul Heckelmann +
Unterlagen von der ehem. Überlandwerk Ufr. AG, Würzburg
Recherchen von Alfred Saam
 


[1]externer Link Unterlagen der ehem. Überlandwerk Ufr. AG
[2]externer Link Aufzeichnungen von Paul Heckelmann +