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Wasserleitungsbau in Burkardroth Teil 1

Die alten Dorfbrunnen
und der Wasserleitungsbau in Burkardroth im Jahre 1914
 

In der Marktgemeinde Burkardroth waren um 1870 drei Brunnen für den allgemeinen Wasserverbrauch vorhanden. Der eine, der sogenannte „Märzenbrunnen“, war vor dem  ehemaligen Schuhgeschäft von Ernst Schmitt angelegt. Der zweite, der sogenannte  „Mittlere Brunnen“, in der Häfnergasse gegenüber der Nickelsmühle, auf dem Gelände der Bäckerei Ehrenberg in Burkardrother Gemarkung. Der dritte Brunnen, der sogenannte  „Obere Brunnen“ vor dem Anwesen, Obere Marktstraße 19, (ehemals Karl Krämer). [1]externer Link

Während der Märzenbrunnen noch einigermaßen brauchbares Wasser hatte, war das Wasser der anderen zwei Brunnen fast nicht zu gebrauchen. Das Wasser der Aschach, das zudem bei etwas Hochwasser braun wurde, drückte sich in die Brunnen und machte das Wasser zum täglichen Gebrauch ungenießbar.

Im Oberdorf, Richtung Stangenroth, gab es nur zwei Tränktröge für das Vieh, einer stand an der Ecke Obere Marktstraße-Lanzenweg, der andere am Eingang links der Straße zur Walkmühle. Das Wasser zu diesen Tränktrögen kam in einem offenen Graben vom sogenannten Grubbrunnen, einer Quelle auf Zahlbacher Gemarkung außerhalb der Ortschaft. Das Wasser in dem offenen Graben wurde außerdem zum Wässern der Wiesen benutzt und war vom jährlichen Düngen der Wiesen mit Mist und Jauche überhaupt nicht für den menschlichen Gebrauch und auch nicht für das Vieh genießbar. Bei Regenwetter oder Schneeschmelze war der Graben eine Schlammmasse und diente den Gänsen und Enten nach damaligen Niederschriften als Nahrungssuche.[2]externer Link

Ihr sauberes Brauchwasser für den Haushalt mussten die Bewohner des Oberdorfes direkt von der Quelle des Grubbrunnen aus ca. 300 m Entfernung holen. Selbst der Bäckermeister Ambros Kirchner im Oberdorf musste das Wasser für seine Bäckerei vom Grubbrunnen herbeischaffen.

Auf Grund dieser katastrophalen Zustände, stellte der Bauer Joseph Schuldheis aus dem Hs. Nr. 24, (Obere Marktstraße 44) in Burkardroth im Jahre 1877 beim kgl. Bezirksamt in Bad Kissingen den Antrag, dass auch im Oberdorf ordentliche  Brunnen gebaut werden müssten. Die Gemeindebehörde,  mit Bürgermeister Johann Wolf aus Hs. Nr. 78 (an der Holzmühle 8), die das Anliegen vom Bezirksamt übermittelt bekam, lehnte den Antrag zunächst mit der Begründung, es gäbe genug Wasser, kategorisch  ab und ließ die Sache zunächst auf sich beruhen. Am 16. Februar 1879 beraumte der Gemeindeausschuss wegen des Antrages von Josef Schuldheis dann doch eine Bürgerversammlung an und protokollierte dabei:

„Heute versammelten sich nach vorheriger ortsüblicher Bekanntmachung die Gemeindebürger, um über den Antrag des Josef Schuldheis bezüglich einer Brunnenleitung im oberen Dorfe in Beratung zu treten. Von 91 Bürgern waren 80 erschienen.

Nachdem den versammelten Bürgern der schriftliche Antrag des Josef Schuldheis nebst der Bezirksamtlichen Verfügung bekanntgegeben war, wurde denselben auch die hohe Ministerialentschließung vom 30. März 1878 >Die Wasserversorgung der Gemeinden betr.< vorgelesen und die Bürger zur Meinungsäußerung aufgefordert.

Bei der darauffolgenden Abstimmung wurde der Antrag des Josef Schuldheis mit 78 gegen 2 Stimmen abgelehnt und zwar aus folgenden Gründen:

Zur Bestätigung unterzeichnen 2 Bürger im Namen sämtlicher,

Heinrich Schirmer
Michael Markard

Zur Beglaubigung:
Johann Wolf, Bürgermeister“

  1. Burkardroth besitzt ausreichend gutes gesundes Trink- und Nutzwasser und kann dieses vor jedem Ortseinwohner leicht ins Haus geschaffen werden.
  2. Die beabsichtigte Wasserleitung würde nur einigen Bürgern dienen, nicht der Gesamtheit.
  3. Wenn auch Antragsteller einen Beitrag zur Herstellung der Leitung gibt, so würde doch der Gemeinde der größte Teil der Kosten verbleiben, ohne den Unterhaltungskosten zu gedenken.
  4. Eine Unterstützung nach Artikel 89 des Brandversicherungsgesetzes v. 3. April 1876 wurde wohl hier nicht gewährt werden, da der Gemeinde Trinkwasser nicht mangelt und gedachte Leitung bei Feuergefahr überflüssig wäre, da neben derselben der Mühlbach fließt, der Wasser in Fülle liefert.
  5. Ist die Gemeinde mit Ausgaben überlastet, so dass die größte Sparsamkeit geboten ist.

Das kgl. Bezirksamt Bad Kissingen schloss sich der Meinung der Gemeinde Burkardroth an und sandte ihr ein Schreiben, das dem Antragsteller vorzulesen sei. Nach dem Vorlesen des Schriftstückes durch die Gemeinde sandte der Antragsteller Josef Schuldheis am 27. April 1979 folgendes Schreiben an das kgl. Bezirksamt:

„Nachdem mir Unterzeichneter durch Herrn Bürgermeister dahier die bezirksamtliche Verfügung wegen der Brunnenleitung im oberen Dorfe Burkardroth vorgelesen wurde, die Sache auf sich beruhen zu lassen, oder innerhalb 14 Tagen meine weitere Beschwerte beim kgl. Bezirksamt geltend zu machen finde ich mich veranlasst auf angegebene Punkte der Gemeindeverwaltung folgendes zu erwidern:

Nachdem bei der öffentlichen Gemeindeversammlung nur der Hauptpunkt in Erwägung gezogen wurde, die Unterhaltung der Brunnenleitung koste der Gemeindekasse alljährlich zuviel, möge nach eingezogenen Erkundigung von Brunnenleitungen anderer Gemeinden, die in früheren Jahren hergestellt wurden, zur Sache dienen, dass innerhalb 10 – 12 Jahren keine Reparaturen vorgekommen seien, überdies übernimmt Antragsteller von genannter Brunnenleitung die Reparaturkosten auf 12 Jahren.

Die weiteren Punkte, es sei genug, reines gesundes Trink und Nutzwasser vorhanden und könne leicht ins Haus geschafft und von den Bürgern benutzt werden, beruht auf Unwahrheit. Bezüglich der Kosten ist erwähnt, der größte Teil falle der Gemeinde zu, ist unwahr, indem die Leitung sich circa auf 700 – 800 Mark beläuft wo Antragsteller 500 Mark bar hergibt.

Bei versammelter Gemeinde hatten nur die Wiesenbesitzer das Wort für Wässerung ihrer Wiesen, die Abstimmung geschah öffentlich und deshalb enthielt sich einer oder der andere der Abstimmung weil er gute Freunde von den Wiesenbesitzern hatte und sich nicht befeinden wollte.

Ich stelle deshalb an Wohllöbliches Bezirksamt wie bereits in meinem ersten Antrag erwähnt, dass eine Kommission unter Zuziehung eines Arztes die Sache zur Einsicht nehme, wo man alle Angaben auf Wahrheit finden wird. Zu jeder mündlichen Rücksprache beim kgl. Bezirksamte bin ich allzeit bereit.

Gehorsamster
Joseph Schuldheis“

Wahrscheinlich auf Vermittlung des kgl. Bezirksamtes beschloss nun der Gemeindeausschuss mit Bürgermeister Wolf am 12. März 1881:

„Das Gesuch des Josef Schuldheis um Anlegung einer Brunnenleitung soll dahier entsprochen werden, dass die Leitung hergestellt werden soll, wenn Schuldheis einen Zuschuss von 700 Mark leistet und wenn er von denjenigen welche auf das Wasser der Quelle Anspruch haben, die Bewilligung zur Anlage einer Brunnenleitung ohne Kosten für die Gemeinde erwirkt.“ [3]externer Link

Doch in den darauffolgenden Jahren geschah wieder nichts mit der Wasserversorgung im Oberdorf, zu groß waren die Schwierigkeiten mit den Besitzern der Wiesengrundstücke. Unverrichteter Dinge starb Josef Schuldheis im Alter von 53 Jahren am 22. Juni 1889.

Erst unter dem neuen Bürgermeister Franz Schmitt (1841 – 1900) von Hs. Nr. 54 (Obere Marktstraße 7) befasste sich der Gemeindeausschuss am 16. Oktober 1892 erneut mit dem Wasserleitungsprojekt und kam mit den bereits bekannten Fakten zu folgendem Beschluss: [4]externer Link

„Die 515 Einwohner zählende Markt-Gemeinde Burkardroth hat nur drei Brunnen, welche Trinkwasser liefern. Dasselbe ist aber bei sämtlichen von nicht guter Qualität, das eine ist kalt und im Winter ungenießbar, das andere bei regnerischer Witterung trüb, das dritte blieb in diesem Sommer ganz aus.

Zwei dieser Brunnen liegen im Bette der Aschach und sind nichts weiter als Bachwasser, der dritte liegt sehr tief unterhalb des Grundwasserspiegels. Die Aschach berührt auf kurzer Strecke den Ort Burkardroth und ist im Sommer wasserarm. Eine bessere Wasserversorgung tut daher dringend not. In der Nähe des Ortes im Aschachgrund, liegt (auf Zahlbacher Gemarkung) eine Quelle, Grubbrunnen genannt, welche das beste Trinkwasser in hiesiger Gegend liefert. Von dieser zweigt eine Ader ab, die auf Burkardrother Markung zutage tritt und ist der Besitzer des betreffenden Grundstückes, Müller Joseph Metz von hier erbötig, die Quelle zur Einrichtung einer Wasserleitung der Gemeinde Burkardroth zu überlassen.

Es wurde daher beschlossen, eine neue Wasserleitung mit drei laufenden Brunnen für Burkardroth zu errichten und das kgl. technische Bureau für Wasserversorgung im kgl. Staatsministerium des Innern zu ersuchen die nötigen generellen technischen Vorarbeiten baldigst vornehmen zu lassen.“

Das kgl. Wasserversorgungsbüro in München übersandte am 16. Dezember 1892 ihr Gutachten und war mit den Standorten der neuen Brunnen, die von der Gemeinde vorgeschlagen waren, einverstanden.

Danach waren zu dieser Zeit drei neue Brunnen an folgenden Standorten geplant:

1. Obere Marktstraße – Ecke Lanzenweg
2. Obere Marktstraße – Ecke Am Stützle
3. Marktplatz

Die alten Brunnen mit dem schlechten Wasser, sollten nach der Erstellung der neuen Brunnen, außer Betrieb gehen.

Im Mai 1893 traten jedoch bei dem erneuten Anlauf, die neue Brunnenleitung zu errichten, die ersten Schwierigkeiten auf. So verlangte der Ökonom Michael Kirchner von Zahlbach für das Rohrleitungsverlegen über sein Grundstück 600 Mark und war zu keinem geringeren Betrag zu bewegen.

Michael Grom, Bauer von Burkardroth H. Nr. 6, (an der Höll 1) erklärte sich bereit, die Quelle selbst nebst dem zur Fassung derselben notwendigen Terrain zum Eigentum der Gemeinde abzutreten, aber auch er verlangte dafür 600 Mark. Bescheidener war der Müller Georg Wehner aus Burkardroth H. Nr. 2 (Jörgsmühle), er verlangte für die Überquerung seines Grundstücks 100 Mark, wenn auf dem Grundstück keinerlei Schaden entstehe.

Einen herben Rückschlag gab es im Januar 1894 als der Quellenbesitzer Andreas Grom, der Vater von Michael und Andreas nicht mehr zur Abtretung der Quelle zu bewegen war und somit die Sache vorläufig wieder ruhte.[5]externer Link

Weil die ganze Gemeinde zwei Jahre später wegen des schlechten Wassers erneut eine Wasserleitung verlangte, wurde der Wasserleitungsbau im Gemeinderat am 18. Oktober 1896 wieder behandelt. Von vielen Bürgern wurde die Anlage so dringend begehrt, dass dem Gemeindeausschuss mit einer Klage beim kgl. Bezirksamt gedroht wurde. Daraufhin beschloss der Gemeinderat, sich wieder dem Projekt zuzuwenden, was auch bald darauf geschah.

Im November 1896 wandte sich die Gemeinde wegen der Quelle wieder an Michael Grom und seinen Bruder Andreas, die aber nun 1000 Mark für die Abtretung der Quelle und des nötigen Terrains wollten. Nun ging die Gemeinde mit ihrem Angebot auf 800 Mark, worauf die Gebrüder Grom 900 Mark verlangten, das die Gemeinde am 27.11.1896 schließlich akzeptierte. Am 26. Mai 1897 sandte Bürgermeister Schmitt an das kgl. Bezirksamt das Schreiben:

„Gehorsam Unterzeichneter übersendet in der Anlage bezirksamtlichen Auftrages gemäß, die Abschriften der beiden notariellen Verträge der Gemeinde Burkardroth mit den Gebrüdern Grom und Georg Wehner. Der Ausführung der Leitung steht nun nichts mehr im Wege da nach vorliegenden Verträgen die Quelle Eigentum der Gemeinde ist und die Führung der Leitung durch die Wiese der Gebrüder Grom und durch den Garten des Georg Wehner direkt auf Gemeindeeigentum das in die Ortsstraße führt und die Leitung des Röhrenstranges durch das Eigentum der vorgenannten Personen notariell gesichert ist.

Gehorsam, Schmitt, Bürgermeister“

Bei der Gemeindeversammlung am 1. April 1898, zu der alle 87 Ortsbürger geladen und 62 erschienen waren, wurde nun über der Bau der Wasserleitung abgestimmt. Mit den Geschäftsleuten, die je nach der Höhe ihrer Steuereinzahlung mehrere Stimmen abgeben konnten, hatte man schließlich 43 Stimmen für den Bau der Wasserleitung, mit 26 Stimmen war man dagegen. (Apotheker Kilian Schipper hatte z. B. mit 53,65 Mark Steuer, 4 Stimmen). Der Kostenvoranschlag belief sich auf 9 500 Mark und es wurde beschlossen, das Kapital bei der Bayerischen Landwirtschaftsbank in München aufzunehmen und mit einem jährlichen Zins von 700 Mark in 15 ½ Jahren zurückzuzahlen. [6]externer Link

Sieben Brunnen als Wasserleitung

Bei dieser Wasserversorgung handelte es sich jedoch nicht um eine Hauswasserversorgung im üblichen Sinne, sondern um eine Brunnenleitung. Die Rohrverlegungsarbeiten im Akkordangebot übernahm die Firma Carl Hesselbach aus Kitzingen zum Preis von 3 880 Mark. Die Grabarbeiten wurden dem Bürgermeister Franz Schmitt übertragen, der sich anbot, die Arbeiten zum selben Preis von 1 124 Mark wie die Firma Hesselbach auszuführen. Von der besagten Quelle am oberen Dorfrand von Burkardroth wurden 70 und 40 mm Eisenrohre durch die Ortschaft verlegt und sieben Brunnen damit gespeist. Nur das Schulhaus erhielt im Jahre 1899 einen Hausanschluss dessen Kosten 70 Mark betrugen, wovon Lehrer Alzheimer 15 Mark und dessen Nachfolger Lehrer Gengler 55 Mark  übernahmen.[7]externer Link Lehrer Gengler wurde dann ein Zuschuss von 30 Mark und 7 Pfennig gewährt. Erst Jahre später wurden bei Apotheker Kilian Schipper und beim Arzt Dr. Franz Wohlsecker, auf  deren Antrag hin, ebenfalls eine Hausanschlussleitung genehmigt. Das Wasserleitungsprojekt mit den sieben Dorfbrunnen wurde im Jahre 1899 begonnen, die offizielle Übergabe vom kgl. Wasserversorgungsbüro in München an die Gemeinde Burkardroth erfolgte am 18. März 1900. Im gleichen Jahre, am 2. Oktober 1900, verstarb Bürgermeister Franz Schmitt, der Initiator der Brunnen-Wasserleitung im Alter von 59 Jahren.

Die sieben Brunnentröge hatten alle gleiche Bauart, sie waren aus Beton an Ort und Stelle gegossen worden, jedoch ohne Baustahl- oder Eisenbewährung. Die schönen gusseisernen Brunnensäulen waren ebenfalls gleicher Bauart.

Die Standorte der Brunnen waren nach heutigen Hausnummern  folgende:

1. Brunnen: vor dem Anwesen An der Höll 1, (Walter Metz)
2. Brunnen: Ecke Obere Marktstraße - Lanzenweg
3. Brunnen: Ecke Obere Marktstraße-Am Stützle (bei Kaspar Kirchner, später Tankstelle)
4. Brunnen: vor dem Anwesen Obere Marktstr. 3, (Bäckerei und Cafe Höchemer)
5. Brunnen: auf dem Marktplatz (neben dem Schulgarten)
6. Brunnen: neben dem Anwesen, Untere Marktstr. 2 (ehemals Metzgerei König)
7. Brunnen: vor dem Anwesen, Untere Marktstr. 7, (Walter Kaufmann)


Brunnen ob Marktstr 23
Kaspar Kirchner (Zeh Köpp), heute Obere Marktstraße 23, Burkardroth
vor dem Anwesen einer der sieben Brunnen, der ehemaligen Wasserleitung in Burkardroth, erbaut 1899

 

Als Brunnenwart wurde am 22. April 1900 der Polizeidiener Franz Grom gegen eine jährliche Vergütung von 30 Mark durch den Bürgermeister verpflichtet. Er hatte die strikte Aufgabe, die Brunnentröge stets sauber zu halten.

Der Bau der Hauswasserleitung[8]externer Link

Markus WehnerBei einer Gemeinderatssitzung mit dem nachfolgenden Bürgermeister Markus Wehner, (1870 – 1915, Häfnergasse 27) am 28. November 1910 wurde das erste Mal über eine allgemeine Hauswasserleitung nachgedacht und ein eventueller Anschluss an die Wasserleitung Zahlbach erwogen. Bei einer weiteren Sitzung am 8. Juli 1911 wurde beschlossen, die Wasserversorgung der Gemeinde Burkardroth gemeinsam mit der Gemeinde Zahlbach nach dem Entwurf des königlichen Wasserversorgungsbüros in München durchzuführen.

Am 23. Juli 1911 wurde dem Gemeinderat von Zahlbach ein Schreiben vom kgl. Wasserversorgungsbüro in München unterbreitet. In diesem wurde vorgeschlagen, mit zwei weiteren Quellen auf Zahlbacher Gemarkung mit dem Ort Burkardroth eine gemeinsame Wasserleitung zu bauen. Der Gemeinderat von Zahlbach reagierte sofort und protokollierte u. a.:

„Nun existiert aber eine der in Aussicht genommenen Quellen gar nicht und die andere ist eine sogenannte Märzenquelle, die nur im Frühjahr einige Wochen läuft und während des übrigen ganzen Jahres versiecht ist. Es fehlen alle die Voraussetzungen, die zu den gemeinsamen Bauen einer Wasserversorgungsanlage Burkardroth-Zahlbach unbedingt notwendig sind. Auf Grund dieser Tatsache beschließt deshalb die unterfertigte Gemeindeverwaltung einstimmig, die Wasserversorgung hiesigen Orts allein durchzuführen“.

Was dann auch so geschah: Der Bau der Wasserleitung in Zahlbach wurde im April 1912 begonnen und im Juli gleichen Jahres fertig gestellt.[9]externer Link

Nachdem das gemeinsame Wasserleitungsprojekt mit der Gemeinde Zahlbach gescheitert war, wurde vom kgl. Wasserversorgungsbüro in München vorgeschlagen, sich an die Wasserleitung Stangenroth-Wollbach anzuschließen. Diese Wasserversorgung für die beiden Orte wurde bereits im Jahre 1908 erstellt, die Quellschüttung betrug 1911 im November 4,84 Liter/Sekunde. Der Ort Stangenroth verbrauchte 0,893 und Wollbach 0,534 Liter/Sekunde. Der Wasserverbrauch der Gemeinde Burkardroth mit 522 Einwohnern in 98 Wohngebäuden, 356 Stück Großvieh, 336 Stück Kleinvieh war mit 0,535 Liter/Sekunde, 56 cbm. pro Tag berechnet. Der Gesamtbedarf der drei Gemeinden betrug demnach 1,962 Liter/Sekunde.

Laut der damaligen Planung sollte vom Hochbehälter „Am Trieb“ in Wollbach eine Rohrleitung zum Hochbehälter außerhalb Burkardroth, Richtung Stangenroth gelegt werden. Dazu hätte der Hochbehälter Wollbach mit hohen Kosten höher gelegt werden müssen und nachdem bei diesen Gemeinden, nach vernommenen Äußerungen eine Genehmigung fraglich erschien, ließ man auch dieses Projekt fallen. [10]externer Link

Nun besann man sich seiner eigenen Gegebenheiten und beschloss, dass man zur Feststellung der Wassermenge Messungen an der sogenannten Weißenbrunnquelle vornehmen lassen wolle.

Am 21. April 1912 wurden alle Haushaltsvorstände der Gemeinde Burkardroth unter Strafandrohung bei Nichterscheinen zur Beratung über die Wasserleitungshausanschlüsse geladen. Von den 89 erschienenen Personen stimmten 79 für den Beschluss der Gemeindeverwaltung, 7 waren dagegen und 3 enthielten sich der Abstimmung. Dieser Beschluss beinhaltete:

"dass jedem Hausbesitzer die Hausleitung bis zu einer Entfernung von 100 Metern auf Kosten der Gemeinde verlegt wird, für jede weitere Entfernung hat der Hausbesitzer aufzukommen. Der Melchersmühle und der Oelmühle, welche zur Gemeinde Burkardroth gehören, aber nur vom Ortsnetz Zahlbach gespeist werden können, werden ebenfalls 100 m Leitung vergütet“.[11]externer Link

Bei der Gesamtgemeinde-Versammlung am 2. April 1914 wurde beschlossen, keine Wasseruhren einzuführen da die Kosten durch Umlagen aufgebracht werden sollten. Das Anlagekapital, ungefähr 34 000 Mark, soll als Darlehen bei der Landeskultur-Rentenanstalt zu 3 ½ % Verzinsung und einer 28jährigen Tilgungszeit aufgenommen werden. Außerdem wurde beschlossen, die Arbeiten an der Wasserversorgung öffentlich auszuschreiben, was auch gleich darauf geschah.

Bereits bis zum 5. Juni 1914 hatten 16 Firmen ihr Angebot abgegeben, 3 kamen in die engere Wahl. Billigster Anbieter mit 25 986,50 Mark war die Firma Jakob Weh aus Osterberg bei Babenhausen in Württemberg, die auch den Auftrag für den Bau der Wasserversorgung erhielt.

Das Wasserleitungsnetz wurde mit 80 mm Syndikatsrohren gebaut, noch im Jahre 1914 mit den Arbeiten begonnen und im gleichen Jahr nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 unterbrochen. Erst am 27.9.1916 behandelte der Gemeinderat wieder den Wasserleitungsbau und wünschte den Weiterbau des erwähnten Projektes. Da aber auf allen Gebieten eine zum Teil recht beträchtliche Preissteigerung eingetreten war, wurde der Unternehmer Jakob Weh zur Einreichung eines neuen Angebotes veranlasst.

Sein Angebot lautete daraufhin:

1.  Quellfassung  16 %  Aufschlag
2.  Entsäuerungsanlage  20 %    „
3.  Rohrgraben  67 %    „
4.  Rohrleitungen  29 %     „
5.  Regie  40 %    „
6.  Hochbehälter  13 %    „
7.  Anschlüsse  54 %    „

Nach eingehender Beratung des Gemeinderats wurden der Firma Weh die Zuschläge zugebilligt. Im Gegenzug verpflichtete sich Jakob Weh, nach erfolgter Abrechnung den Betrag von 1 200 Mark der Gemeinde nachzulassen.

Im Kriegsjahr 1916 wurde der Gemeinderat auf den fertiggestellten 80 m³ fassenden Hochbehälter aufmerksam und befand, dass das Projekt zu klein gebaut war. Darauf beschlossen sie in einer Sitzung am 15.12.1916, den Hochbehälter auf 100 m³ Inhalt zu vergrößern, wodurch Kosten von 700 Mark entstanden.Kilian Höchemer

Das Wasserleitungsnetz der Gemeinde Burkardroth, konnte trotz des 1. Weltkrieges Anfang des Jahres 1919, nach dem 1. Weltkrieg, mit Bürgermeister Kilian Höchemer, (1871 – 1937), Obere Marktstraße 20, fertig gestellt werden. Die Schlussabrechnung der Firma Jakob Weh wurde am 15. März 1919 erstellt.

So wurde die Wasserversorgung Burkardroth in den Jahren des ersten Weltkriegs  mit minderwertigem Kriegszeitenmaterial weitergebaut, was sich in den nächsten Jahren an Reparaturen bitter bemerkbar machte.

Im Jahre 1938 war die Wasserversorgungsanlage in so schlechtem Zustand, dass erhebliche Teile erneuert werden mussten. Die Kostenberechnungen lagen zwischen 30 und  40 000 Reichsmark. Da aber die Gemeinde Burkardroth bisher überhaupt kein Wassergeld von ihren Bürgern verlangt und keine Rücklagen gebildet hatte, war dafür kein Geld vorhanden. Um einen staatlichen Zuschuss beantragen zu können, musste nun die Gemeinde mit Bürgermeister Otto Kirchner (aus der Schustermühle) den sogenannten Wasserzins einführen. Das stieß nun auf erheblichen Widerstand der Bürger, von denen sich folgende besonders gegen eine Zahlung einsetzten:[12]externer Link

Dr. Theodor Staab  Hs. Nr. 112
Hermann Kirchner Hs. Nr. 24
Oskar Höchemer  Hs. Nr. 64
August Kirchner  Hs. Nr. 17
Anton Albert  Hs. Nr. 66

Laut der Niederschrift von Bürgermeister Otto Kirchner, hatte z. B. Dr. Theodor Staab zwei Autos, Wasserspülung und Bad. Dafür sollte er monatlich, genau nach Satzung, 6 RM bezahlen, was ihm zu hoch erschien.

Um die Sache voranzubringen, wandte sich Bürgermeister Otto Kirchner im November 1938 an den NSDAP- Kreisleiter Willy Heimbach in Bad Kissingen, um die Genannten vorladen zu lassen. Der Kreisleiter gab das Anliegen an das Bezirksamt weiter und hielt es für angemessen, diese Personen zurechtzuweisen. Das Bezirksamt Bad Kissingen wiederum gab die Angelegenheit zwecks Befragung an die Gendarmerie Station Burkardroth weiter. Die Gendarmeriestation Burkardroth mit Hauptwachtmeister Kolb besprach sich mit den aufsässigen Haushaltsvorständen und erstattete am 5. November 1938 an das Bezirksamt Bad Kissingen folgenden Bericht:[13]externer Link

„1. Staab Theodor, prakt. Arzt in Burkardroth gab an:

Der für mich festgesetzte monatl. Wasserzins beläuft sich über 6 RM, während andere Betriebe, die viel mehr Wasser verbrauchen, viel weniger bezahlen müssen. Anscheinend wurde bei mir der Wasserzins nicht nach dem Verbrauch, sondern nach dem Einkommen festgesetzt. Ich stehe aber auf dem Standpunkt, dass sich die Höhe des Wasserzinses nach dem Verbrauch zu richten hat. Aus diesem Grunde weigere ich mich, den Wasserzins zu bezahlen.

Oskar Höchemer, verh. Bäckermeister in Burkardroth gab an:

Die Zahlung des Wasserzinses verweigere ich deshalb, dass mit dem Bau der Wasserleitung noch gar nicht begonnen ist und ich nicht einsehen kann, warum man für etwas zahlen soll, von man noch gar keinen Genuss hat.

Die Landwirte August Kirchner, Hermann Kirchner und Anton Albert aus Burkardroth  erklärten übereinstimmend, dass sie sich nicht weigern einen Wasserzins zu bezahlen, nur sei ihnen die Grundgebühr im Verhältnis zu ihren Einkommens- und Vermögensverhältnissen zu hoch und seien sie nicht in der Lage diesen zu bezahlen.

Von den ungefähr 96 Haushaltungen zahlen bis jetzt 25 – 30 den Wasserzins, während sich die anderen weigern, diesen zu bezahlen. Sobald aber mit dem Bau der Wasserleitung begonnen wird, ist damit zu rechnen dass auch der Großteil der Nichtzahler ihren Verpflichtungen nachkommen wird. Zurzeit herrscht allerdings insbes. wegen der Höhe der Grundgebühren unter der Bevölkerung eine ziemliche Erregung. Es hat sich dazu noch das Gerücht verbreitet, dass die Gemeinde ein Barvermögen von 10 000 RM. besitze, jedoch dürfe dieses Geld nicht für den Bau der Wasserleitung verwendet werden, sondern müsste für den Schulhausneubau, den viele Leute ablehnend gegenüber stehen, aufgehoben werden. Vom Bürgermeister Kirchner wird allerdings behauptet, dass die 10 000 RM. zum Bau der Wasserleitung verwendet werden. Nach Angaben des Bürgermeisters müssen die einzelnen Haushalte durchschnittlich 2,50 – 3,00 RM monatlichen Wasserzins bezahlen.

Gendarmeriestation Burkardroth
Kolb, GHW.“

Das Bezirksamt Bad Kissingen unterstützte natürlich das Wasserleitungsprojekt der Gemeinde Burkardroth und erklärte u. a.:

„Die Erregung in Burkardroth wegen des Wasserzinses ist vollkommen unberechtigt. Der Wasserzins, der zur Erhebung gelangt, ist sehr mäßig. Wenn in anderen Gemeinden, die zum Teil viel ärmer sind als die von Burkardroth, der Wasserzins bezahlt werden kann, so ist dies auch in Burkardroth möglich. Die Gemeinde ist nicht in der Lage, aus allgemeinen gemeindlichen Mitteln diesen Betrag aufzubringen und kann mit einem Zuschuss nur dann rechnen, wenn Wasserzins erhoben wird. Das Vorbringen der Säumigen ist nicht stichhaltig, der Wasserzins ist genau nach der Satzung festgelegt. Dem Bürgermeister, der heute bei Amt vorsprach, wurde erklärt, nunmehr unnachsichtlich mit Zwangsmaßnahmen gegen die Säumigen vorzugehen“.

Laut eines Gemeinderatsbeschlusses vom 30. August 1938 war die Höhe des Wassergeldes mit ca. 2,50–3 RM pro Monat und Haushalt  berechnet. Dieser Beschluss wurde nun auf Drängen der Bevölkerung am 21. Januar 1939 wieder aufgehoben und wie folgt geändert:

„Die Grundgebühren entfallen, Wasserzins wird erhoben und zwar pro Kopf der Bevölkerung RM  0,10 und für jedes Stück Großvieh über drei Monate RM 0,10, dasselbe gilt für Esel und Pferde, für ein Auto 0,50 RM pro Monat. Die Gebühren werden auf Wunsch, monatlich, vierteljährlich oder jährlich eingehoben“.

So endete schließlich der Streit um die Wasserleitungserneuerung und es kehrte eine gewisse Ruhe ein. Das Bezirksamt Bad Kissingen erkundigte sich am 17. Februar bei der Gendarmeriestation Burkardroth, wie weit eine Entspannung über den Wasserzins eingetreten sei. Die Gendarmerie sandte daraufhin am 24. Februar 1939 ein abschließendes Schreiben an das Bezirksamt:

„An den Herrn Landrat in Bad Kissingen m. d. B. zurück, dass insofern in vorstehender Angelegenheit eine Beruhigung eingetreten ist, dass der Wasserzins nunmehr erst ab 1. Jan. 1939 erhoben wird, jedoch erst am Jahresschluss bezahlt zu werden braucht. Außerdem sind jetzt die Grundgebühren, mit Ausnahme der Gewerbetreibenden in Wegfall gekommen.

Sollten sich neuerdings in der Angelegenheit Schwierigkeiten ergeben, wird sofort Bericht erstattet“.


Brunnen a d Höll 1
Brunnen "An der Höll"

 


[1]externer Link Protokollbuch d. Gem. Burkardroth v. 16.10.1892
[2]externer Link St. A. W. LRA. Bad Kiss. 5564
[3]externer Link St. A. Wü. LRA. Bad Kiss. 5564
[4]externer Link Protokollbuch d. Gem. Burkardroth v. 16.10.1892
[5]externer Link Protokollbuch d. Gem. Burkardroth v. 18.5.1893
[6]externer Link Protokollbuch d. Gem. Burkardroth v. 1.4.1898
[7]externer Link Protokollbuch d. Gem. Burkardroth v. 5.9.1901 u. 9.1.1902
[8]externer Link St. A. Wü. LRA. Bad Kiss. 5564
[9]externer Link  St. A. Wü. LRA. Bad Kiss. 5643
[10]externer Link St. A. Wü. LRA. Bad Kiss. 5564
[11]externer Link Protokollbuch d. Gem. Burkardroth v. 28.4.1912
[12]externer Link St. A. Wü. LRA. Bad Kiss. 5566
[13]externer Link St. A. Wü. LRA. Bad Kiss. 5566

Teil 2