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Pfarrer von Stangenroth

Alfred Saam

Die Geschichte der Pfarrei Stangenroth

von 1792 - 1984

Der Neuanfang der Pfarrei Burkardroth mit seinen Filialen Wollbach, Stangenroth und Gefäll begann 1584 nach den Wirren der Reformation. Stangenroth hatte zu  dieser Zeit 73 Haushaltungen mit 336 Personen. Zahlbach gehörte zu dieser Zeit zur Pfarrei Stralsbach, kam aber schon bald danach, im Jahre 1587, ebenfalls zur Pfarrei Burkardroth.

Die Filiale Stangenroth hatte nur eine kleine Kapelle und die war viel zu klein für die Gottesdienste. Die Gläubigen mussten wie alle aus den Filialen zum Gottesdienst in die Pfarrkirche nach Burkardroth. Stangenroth hatte zu dieser Zeit auch keinen eigenen Friedhof, die Begräbnisse und auch die Leichengottesdienste wurden in Burkardroth gehalten. Da bleibt es nicht verwunderlich, dass im Laufe der Jahrzehnte das Bestreben aufkam, eine eigene Pfarrei zu gründen.

Während die Abtrennung der Filiale Gefäll im Jahre 1686 zur neuerrichteten Pfarrei Premich fast ohne Probleme verlief, war die Loslösung der Filiale Stangenroth im Jahre 1792 mit großen Schwierigkeiten verbunden. War es doch die beste Filiale der Pfarrei Burkardroth.

Die Pfarrei Stangenroth bestand 192 Jahre und hatte von ihrer Gründung im Jahre 1792 bis zum Weggang des letzten Pfarrers Oswald Grätz im Jahre 1984 insgesamt fünfzehn Pfarrer.[1]externer Link

Der erste Pfarrer der neuen Pfarrei war Franz Fischer; er war am 5.8.1748 in Bütthard geboren, seine Priesterweihe erhielt er am 14.3.1772. Nach den Jahren als Kaplan und Kooperator in Dettelbach und Eyershausen war er vom 15.3.1792 bis zum 1.7.1794 Pfarrer in Stangenroth. Anschließend war er Pfarrer in Burkardroth, wo er es nur vier Wochen aushielt. Angeblich vertrug er das Wasser nicht und zog wieder weg nach Kolitzheim, wo er am 19.6.1809 verstarb.

Dr. phil. Johann Leonhard Gockler, am 20.9.1755 in Neuses geboren, war vom 2.7.1794 – 1.7.1800 der zweite Pfarrer in Stangenroth. Zuvor war er als Kaplan in Wiesentheid, Zeuzleben, Knetzgau, Dingolshausen und Forst tätig und erhielt seine Priesterweihe am 18.12.1779. Nach seinem Weggang aus Stangenroth war er noch als Pfarrer in Mürsbach, Unterpreppach, Ebern und in Bieberehren tätig, wo er am 25.8.1844 verstarb.

Vom 3. Pfarrer Bartholomäus Blum, gibt es keine weiteren Aufzeichnungen; von ihm ist nur bekannt, dass er vom 22.10.1800 – 1814 in Stangenroth tätig war.

Der 4. Pfarrer, Paul Gensler, war in Melperts geboren und wurde 1799 zum Priester geweiht. Seine Kaplanstellen waren in Gaurettersheim, Unterwittighausen und 15 Jahre Kaplan in Fladungen. In Stangenroth war er vom 15.6.1816 – 24.8.1820 als Pfarrer tätig. Er verstarb am 24. 8.1820 und ist der erste Pfarrer, der in Stangenroth beerdigt wurde. Zu seiner Zeit hatte Stangenroth 753 Seelen.

Der 5. Pfarrer, Kaspar Jahn, am 12.8.1782 in Karbach geboren, am 25.2.1809 zum Priester geweiht, war vom 23.3.1821 – 20.3.1846 Pfarrer in Stangenroth. Zuvor war er Kaplan in Oberschwarzach und Kooperator in Falkenstein. Er starb am 20.3.1846 in Stangenroth an Wassersucht und wurde als zweiter Pfarrer in Stangenroth beerdigt.[2]externer Link

6. Pfarrer in Stangenroth, vom 2.8.1846 – 21.9.1856, war Andreas Fischer, am 27.1.1803 in Volkach geboren; seine Priesterweihe erhielt er am 24.8.1827. Danach war er Kaplan in Kronungen, Frammersbach und Zeil. Vor Stangenroth war er als Pfarrer in Stalldorf und Batten tätig. Zu seiner Zeit war die Pfarrei Stangenroth auf 849 Seelen angewachsen. Nach Stangenroth, wurde er im Jahre 1856 Pfarrer in Unterleinach und 1863 Pfarrer in Öllingen, wo er am 1.1.1875 starb und auch begraben wurde.

Als 7. Pfarrer wurde Anton Kempf am 27.2.1857 in die Pfarrei eingeführt, wo er bis zum 14.7.1861 verblieb. Er war am 17.7.1811 in Neudorf geboren und wurde am 29.8.1839 zum Priester geweiht. Vor Stangenroth war er Kaplan in Keilberg und Pfarrer in Lehrbach/Hilders. An einem Leberleiden und Wassersucht starb er mit 50 Jahren am 14.7.1861 in Stangenroth, wo er auch als 3. Pfarrer begraben wurde.

Der 8. Pfarrer,warJosefNies, war am 14.9.1821 in Brückenau geboren und am 21.8.1847 zum Priester geweiht worden. Nach seinen Jahren in Oberelsbach, Motten, Oberriedenberg und Herbstadt wurde er am 1.11.1861 Pfarrer in Stangenroth. Infolge von Depressionen und  einem Anfall geistiger Umnachtung beging er am 24.6.1862 Selbstmord. Er hatte sich beim Rasieren die Kehle durchschnitten. Er war der 4. Pfarrer der in Stangenroth begraben wurde. Pfarrverweser wurde Kaplan Josef Füglein aus Pfersdorf.

Als 9. Pfarrer wurde Johann Herberich am 17.10.1862 eingeführt. Er war am 1.5.1821 in Aschaffenburg geboren und hatte seine Priesterweihe am 12.8.1848  erhalten. Nach seinen Stellen in Heppdiel, Heimbuchenthal, Kleinwallstadt, Ernstkirchen, Keilberg, Bolzhausen und Holzhausen wurde er am 17.10.1862 Pfarrer in Stangenroth, wo er bis zum 24.5.1872 verblieb. Seine nächste und letzte Pfarrstelle war in Elsenfeld, wo er am 28.12.1876 verstarb und auch begraben wurde. Nach seinem Wegzug wurde die Pfarrei vom Pfarrvikar Philipp Keller von Wernfeld betreut.

Der 10. Pfarrer, Anton Peetz, war am 24.10.1828 in Seßlach geboren und erhielt am 2.8.1854 die Priesterweihe. Danach war er in Jesserndorf als Kaplan und als Distriktschulinspektor in Gereuth, Dekanat Ebern, tätig. In Stangenroth wirkte er als Pfarrer vom 19.9.1872 – 1.6.1876; die Seelenzahl betrug in seiner Zeit 736. Anschließend versah er die Pfarreien Baunach und Langendorf. Im Rentenalter war er als Kommorant in Lülsfeld tätig, wo er am 10.2.1912 verstarb.

Eine wunderliche Figur machte der 11. Pfarrer, Michael Josef Greis. Er war am 5.2.1828 in Würzburg geboren und hatte am 30.4.1852 die Priesterweihe erhalten. Nach den Jahren in Hausen, Forst und Greßhausen, Fatschenbrunn, Oberschleichach, Würzburg, Waldfenster, Eibelstadt, Heßlar, Oberelsbach und Hesselbach übernahm er am 30.11.1878 die Pfarrei Stangenroth. Nach Klagen der Stangenrother Gläubigen, setzte das Bischöfliche Ordinariat in Würzburg den Dekan Hahn aus Albertshausen ein, um die Vorkommnisse zu untersuchen.

In seinem Bericht vom 12.3.1887 an das Ordinariat berichtete er u. a.:

„Heute habe ich im Auftrag dem hohen Bisch. Ordinariat mitzuteilen, daß folgende Klagen eingelaufen sind:


  • Einbruch in das Haus des Schneiders.
  • Ehrenkränkende Worte und Misshandlung des Lehrers Wolf.
  • ist es wahr, daß Pfr. Greis seinen Pflichten als Pfarrer nicht nachkommt und z.B. die Schlussandacht am Neujahrstage nachholte.
  • ist es wahr, dass Pfarrer Greis mit brennender Laterne zum Spielhause geht und oft nach der Polizeistunde zurückgeht.
  • Ist es wahr, daß viele öffentlich erklären, bei ihm nicht beichten zu wollen, auch wenn es ihr Untergang sei und auf die Zeit seiner Abwesenheit lauern, um sich von einem Nachbargeistlichen versehen zu lassen“.
     

Am 15.10.1887 wurde Pfarrer Greis im Alter von 58 Jahren beurlaubt. Danach war  als Kommorant (Pfarrer ohne eigene Pfarrstelle) in München und ab 1910 in Neuburg /D tätig, wo er am 28.10.1914 verstarb.

Die Pfarrei Stangenroth wurde nach der Absetzung  von Pfarrer Greis vom Burkardrother Pfarrer Otto Blumenkamp betreut, dafür wurden ihm vom Bischöflichen Ordinariat 600 Mark bewilligt.[3]externer Link

Pfarrer Lozenz WeißenbergerWenig Ruhm erntete auch sein Nachfolger Lorenz Weißenberger, der als 12. Pfarrer am 15.6.1889 nach Stangenroth kam. Er war am 21.12.1855 in Schwemmelsbach geboren und hatte am 3.8.1879 seine Priesterweihe erhalten. Anschließend war er in Nüdlingen, Zeil, Poppenroth, Brückenau, Premich, Schweinfurt, Burggrumbach und Marktbreit tätig.

Pfarrer Weißenberger plante im Jahre 1889 eine Erweiterung der kleinen Pfarrkirche in Stangenroth. Dazu berief er am 8. Dezember 1889 zwecks Beratung und Beschlussfassung eine Versammlung aller Dorfbewohner ein, wo er folgendes verkündete:[4]externer Link

„Bereits seit 30 bis 40 Jahren ist es anerkannter Notstand, daß die hiesige Kirche viel zu klein ist, so daß bereits 1852 vom Bischöflichen Dekanat ein Auftrag zur Abhilfe dieser Mißstände  erging. Die Kirche bietet Raum für etwa 300 bis 400 Menschen, Stangenroth hat aber seit vielen Jahren 750 bis 760 Seelen. Die Schuljugend und namentlich auch die erwachsene Jugend ist viel zu eng zusammengepfercht, so daß es unmöglich ist, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Eine sehr große Zahl kann weder auf die Kanzel noch auf den Altar schauen. Mädchen und Frauen stehen oder knien auf den Platten der Kirche, manche überdies in einer Stellung, die gegen allen Anstand und gegen die Ehrerbietung in der Kirche ist, woran der Platzmangel die Hauptschuld trägt. Die Burschen auf der zweiten Empore sind gleichfalls so zusammengedrängt, so daß von Ordnung und Andacht keine Spur vorhanden ist, auch wenn Männer Aufsicht führen. Bisher wurde dieselbe verschoben, denn Herr Pfarrer Peetz wie andere Pfarrer verließen die Pfarrei, weil sie die Erweiterung nicht ausführen konnten.

Durch langjährige Vernachlässigung ist nun aber die Kirche in einem so verwahrlosten Zustand, daß Abhilfe unaufschieblich notwendig ist. Jeder muss zugeben, daß die Kirche in einem unwürdigen, trostlosen Zustande ist, so daß der Geistliche und die Gemeinde alles aufbieten müssen, um denselben ein Ende zu machen.

Baupflichtig ist die Kirchenstiftung resp. die Gemeinde. Denn die Kirchenstiftung hat nur 7533,66 Mark rentierliches Kapitalvermögen, so daß die Zinsen nicht einmal zur Deckung der notwendigen laufenden Ausgaben hinreichen und die Gemeinde eintreten muss.

Ein Neubau ist wohl kaum möglich in der hiesigen Gemeinde. Aber da etwas getan werden muss zur Beseitigung des alten Notstandes und da ohnehin eine durchgreifende Reparatur an der Kirche notwendig ist, da zudem eine Erweiterung das Billigste ist, so schlägt Pfarrer Weißenberger vor, auf das Projekt von 1853 zurückzugreifen und das Schiff der Kirche um 36 Fuß (ca. 11 m) zu verlängern. Das Projekt von 1853 beabsichtigte nur 24 Fuß (ca. 7 m) Verlängerung und der Kostenvoranschlag belief sich damals auf 3 200 Gulden = 5 600 Mark.[5]externer Link

Nach eingehender Beratung erklärten die anwesenden 78 Gemeindemitglieder, daß sie für den Vorschlag des Pfarrer seien, wonach ein Kapital aufgenommen wird zu  8 000 bis 10 000 Mark für den Anbau der Kirche und dass ferner die Gemeinde dieses Kapital in 35 Jahren abbezahle.

D
a jedoch an der Zweidrittelpriorität 22 Stimmen fehlen, soll eine neue Kirchengemeindeversammlung anberaumt werden.“

Bereits eine Woche später, am Sonntag den 15. Dezember 1889 fand die nächste Versammlung statt, zu der Pfarrer Weißenberger protokollierte:

„Nachdem auf heute Nachmittag sämtliche Kirchengemeindemitglieder durch den Polizeidiener gegen eigenhändige Unterschrift und unter Androhung von 1 Mark Strafe für unentschuldigtes Ausbleiben eingeladen waren zu einer neuen Versammlung, waren von 154 Stimmberechtigten 120 erschienen.

Nach dem Vortrage und den Anträgen des Pfarrers folgte eine längere Diskussion, die zu folgendem Beschluß führte: die Vermögenden wollen keine Umlagen, sondern gleiche Beiträge für Reiche wie Arme, Letztere wollen die Kosten durch Umlagen gedeckt wissen. Deshalb kamen zwei Anträge zur Abstimmung:

1. Von jedem Hausbesitzer sollen mit einer Sammlung 5 Mark als Anzahlung erhoben werden, von jedem Mitbewohner 3 Mark.

2. Ausdrücklich wird der Antrag gestellt, dass ein Kapital bis zu siebentausend Mark aufgenommen und durch Umlagen in 25 Jahren abgetragen werde.

Danach haben 42 Stimmberechtigte für die Erweiterung der Kirche (resp. für eine Kapitalaufnahme und Umlagenerhebung zu diesem Zwecke) gestimmt, 67 dagegen. Die übrigen können zu den dagegen Stimmenden gerechnet werden. Damit ist die Mühe des Pfarrers umsonst gewesen, der ein würdiges und entsprechendes Gotteshaus pflichtgemäß wünschte und beantragte. Es bleibt nur noch übrig, die jetzige Kirche zu renovieren, da Stangenroth beharrlich sich weigert, die Kirche verhältnismäßig zu erweitern oder zu vergrößern.“

Bereits vier Wochen später, anfangs des Jahres 1890, ging Pfarrer Weißenberger nun daran, die Kirche zu renovieren. Als erstes ließ er die Barockaltäre aus der Kirche entfernen. Bereits am 9. Februar legte er der Kirchenverwaltung ein Foto des Kunstschreiners Link aus Würzburg über einen neuen Hochaltar vor, dessen Errichtung einstimmig begrüßt wurde. Am 9. März  wurde mit der Firma Link der Kauf des neuen Hochaltars vereinbart. Die Kosten dafür sollten zusammen mit den zwei Figuren St. Sebastianus und Wendelinus auf 1 300 Mark kommen. Das Ergebnis der bisherigen Sammlungen betrug schon 1 000,49 Mark. Für die Restaurierung des alten Altarbildes, das in den neuen Altar übernommen wurde, erhielt die Firma Mahr aus Kitzingen 180 Mark, auch das wurde von freiwilligen Spenden gedeckt. Der Hauptaltar wurde im August 1890 aufgestellt und musste bis dahin auch bezahlt sein.

Die Überreste des alten Altars wurden öffentlich versteigert, der Erlös von 40,25 Mark wurde für den neuen Hochaltar verwendet.[6]externer Link

Am 15. Mai 1891 stellte Kunstschreiner Link von Würzburg die beiden Seitenaltäre auf und erhielt dafür vertragsgemäß 900 Mark. Für die Reste der alten Seitenaltäre wurden 26,37 Mark erzielt.

Am 20.10.1892 unternahm Pfarrer Weißenberger einen letzten Versuch, die Kirche zu erweitern, aber auch dieser Versuch scheiterte. Laut mündlicher Überlieferung nahm ihm das die Pfarrgemeinde sehr übel. Auch das Entfernen der alten Barockaltäre  und der Ersatz der künstlerisch minderwertigen Werke missfielen vielen Gläubigen und sie mieden sogar seine Gottesdienste. Als er sich am 29.1.1894 versetzen ließ, konnten einige Bürger ihre Häme nicht verstecken und schlugen mit Trommeln. [7]externer Link

Nach ihm kam der legendäre, energische 13. Pfarrer, Bartholomäus Kullmann, der fast 40 Jahre in Stangenroth wirkte. Er war am 17.2.1866 in Schweinheim bei Aschaffenburg geboren. Seine Priesterweihe hatte er am 1.8.1889 erhalten. Nach Jahren in Sailauf, Neunkirchen, Röllbach und Schweinfurt, kam er am 5.4.1894 nach Stangenroth.

Pfarrer Bartholomäus KullmannAuch er sah die Misere mit der Pfarrkirche und wollte etwas dagegen tun. Um eine Erweiterung  zu ermöglichen, wurde von Johann Grom  nach langen Auseinandersetzungen im Mai 1897 eine Wiesenfläche erworben um die Verlängerung der Kirche durchzuführen, als Preis wurde 6 Mark pro Dezimal (1 Dezimal = 3,41 m²), gesamt 306 Mark, vereinbart.

Am 24.4.1898 wurde in einer Versammlung der Kirchenverwaltung beschlossen, die Kirche zu verlängern, den Dachreiter zu belassen und einen Glockenturm zu erstellen. Unter dem Kgl. Bauamtmann Spies aus Bad Kissingen, der die Bauleitung der Kirchenerweiterung übernommen hatte, wurden am 15.3.1899 die Arbeiten vergeben.

Am 22.4.1899 wurde der Grundstein feierlich gesetzt. Dazu wurde der alte Grenzstein umgearbeitet und feierlich gesegnet. In dem Mauerwerk wurde eine Urkunde mit folgendem Inhalt eingearbeitet:

„Im Namen der Allerhöchsten Dreifaltigkeit, des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes Amen.

Den Nachkommen in Stangenroth sei folgendes kundgetan. I. J. d. H. 1747 war in Stangenroth, einer Filiale von Burkardroth ein Gotteshaus erbaut worden, dieses 1792 zur Pfarrkirche erhoben. Doch erwies sich die Kirche zu klein bei einer Durchschnittsseelenzahl von 750 Seelen. Ein Plan der Vergrößerung von 1853 kam nicht zur Ausführung. 1890 richtete H. H. Pfarrer Weißenberger 3 neue Altäre (2 500 M) auf und gründete den Kirchenerweiterungsfond. Die Pfarrkinder wendeten reichliche Gaben zu, was Gott ihnen vergelten möge.[8]externer Link

1898 fertigte H. Kgl. Bauamtmann Spies in Bad Kissingen ein Projekt, nach demselben wird das Schiff der Kirche um 8 ½ m verlängert und an der Stelle der jetzigen Sakristei ein Turm neugebaut mit Erhaltung des alten Dachreiters. Der Kostenanschlag ist 18 000 Mark. Am 20. März 1899 wurde der Bau begonnen von Maurermeister Johann Schlereth aus Schlimpfhof. Die Pfarrgemeinde besorgte den Erdaushub und Fahren von Stein und Sand. Der ganze Turm ruht in seiner ganzen Fläche auf Beton. Der alte Grundstein musste beim Einreißen der Giebelwand entfernt werden. Es befanden sich in ihm 2 Münzen von 1747 und eine kleine Muttergottesstatue aus Thon. Der Stein wurde umgearbeitet und an diese Stelle versetzt am 22. April 1899.

Stadthalter Christi auf Erden ist: Papst Leo XIII.
B
ischof von Würzburg: Dr. Ferdinand v. Schloer.
Pfarrer von Stangenroth: Bartholomäus Kullmann.
Kaiser von Deutschland: Wilhelm II.
König von Bayern: Otto I., dessen Stellvertreter: Prinzregent Luitpold.
Bezirksamtmann in Kissingen: Frh. von Bechtolsheim.
Bürgermeister von Stangenroth: Michael Schreiner.
Kirchenverwaltung: Joh. Voll, Bernh. Schultheis, Johann Erh. Metz.
Gemeindeverwaltung: Gregor Metz, Beigeordneter, Kasp. Müller, Kassier, Joh. Edelmann, Joh. Kessler, Mich. Aug. Metz, R. Voll.
Lehrer: R. Leipold, E. Eyrich.

Heute kosten:
50 Kilo Korn   8 Mark

50 Kilo Hafer   7 Mark

50 Kilo Weizen  9 Mark

50 Kilo Kartoffel  2 Mark 30 Pf.

Die Gemeinde Stangenroth ist gegenwärtig von einer schlimmen Viehseuche heimgesucht. „Die Maul und Klauenseuche“: möge Gott das Unglück abwenden, damit die notw. Feldarbeiten getan werden können.

Das Frühjahr 1899 und der ganze vorgehende Winter waren sehr warm, es gab fasst keinerlei Schnee.

Das sei auch, ihr Nachkommen kund getan. Wir haben große Opfer gebracht an Geld und Arbeit, genießet ihr die Frucht unserer Arbeit: wenn ihr aber euch versammelt in diesem Haus Gottes und das Hochheilige Opfer Jesu Christi feiert, dann gedenket in Dankbarkeit eurer Vorfahren und betet für das Seelenheil derselben.

O. A.  M.  D.  G.
Stangenroth, 22. April 1899
Bartholomäus Kullmann
Pfarrer“

Nach einer Ansprache durch Pfarrer Kullmann an die Versammelten wurde der Grundstein mit der neuen Urkunde gesegnet, weil er umgearbeitet und als neuer Stein betrachtet wurde; dann wurde er an seine neue Stelle gesetzt.

Bereits im Februar 1900 waren der Kirchenanbau und Turmneubau vollendet. Die Kosten beliefen sich zum Abschluss auf 21 000 Mark. Außerdem hatte die Gemeinde im Wert von 3 000 Mark sämtliche Fronarbeiten, sowie Hand- und Spanndienste geleistet.

Durch die Verlängerung der Kirche im Jahre 1899 wurde nun Platz für 446 Personen geschaffen, der aber wiederum nicht ausreichte. Deshalb beraumte Pfarrer Kullmann am 15.12.1907 eine Sitzung der Kirchenverwaltung an, in der er u. a. protokollierte:

„Seit der letzten Erweiterung im Jahre 1899 ist die Schülerzahl von 100 auf 170 gewachsen. Die Schüler können auf den vorhandenen Holzbänken nicht mehr untergebracht werden. Es soll daher die Kirche erweitert werden. Das vorliegende Projekt gewährt Raum für die Kinder. die Ausführung ist noch nicht möglich. Es sind nur  3 000 Mark vorhanden, das Projekt steht auf 10 500 Mark.“[9]externer Link

Wahrscheinlich aus finanziellen Gründen ruhte das Vorhaben wieder und wurde erst  im Jahre 1910 wieder in Angriff genommen. In einer Kirchenverwaltungssitzung am 9.1.1910 protokollierte Pfarrer Kullmann:

„Die Erweiterung der hiesigen Pfarrkirche nach den genehmigten Plänen soll jetzt begonnen werden, weil sie dringlich ist. Es stehen zur Verfügung 5 515 Mark. Das Projekt kostet 10 815 Mark. Es wird beschlossen, die noch fehlenden 5 300 Mark als Darlehen beim hiesigen Darlehenskassenverein aufzunehmen und in 20 oder 30 Jahren abzuzahlen.“

Nun ging die Erweiterung schnell voran, bereits am 21.7.1910 wurden die Arbeiten vergeben und bald darauf begonnen. Die Erweiterung wurde zu beiden Seiten hin vollzogen, so dass ein Kreuzschiff entstand und sie trug merklich zur Beseitigung des Platzmangels bei.

Pfarrer Kullmann war Dekan des Dakanats Bad Kissingen, Geistlicher Rat und Inhaber des König-Ludwig-Kreuzes. Er war mit der Kirchengemeinde sehr verbunden und sorgte lt. mündlicher Überlieferung vor allem bei der Jugend für absolute Ordnung. Am 15.11.1933 verließ Kullmann nach fast 40jähriger Tätigkeit die Pfarrgemeinde Stangenroth und ging als Benefiziat nach Bad Kissingen, wo er in der Hartmannstraße 2 wohnte. Bereits nach nur 9 Monaten, am 24.8.1934, verstarb Bartholomäus Kullmann 68-jährig in der Klinik Bomhard in Bad Kissingen. Ältere Stangenrother Bürger sagen heute, er sei an Heimweh nach Stangenroth gestorben. Pfarrer Bartholomäus Kullmann war der 5. Pfarrer der in Stangenroth beerdigt wurde.

Pfarrer Philipp GloosAls Pfarrer Kullmann am 5.4.1894 die Pfarrei Stangenroth übernahm, war sein Nachfolger Philipp Gloos noch gar nicht geboren. Philipp Gloos war am 14.5.1894 in Gaukönigshofen geboren. Zunächst studierte er Medizin, wechselte dann zur Theologie und wurde am 30.7.1922 zum Priester geweiht. Nach seinen Kaplanstellen in Frammersbach und Partenstein, kam er als 14. Pfarrer am  16. 11.1933 nach Stangenroth. Philipp Gloos war im 1. Weltkrieg Leutnant d. R., hatte für seine Tapferkeit das EK II, den Militärischen Verdienstorden, das Militärische Verdienstkreuz mit Schwertern und Krone und das EKF erhalten.[10]externer Link Lt. mündlicher Überlieferung soll Philipp Gloos in diesem Krieg verschüttet gewesen sein, dabei soll er das Gelübde abgelegt haben, bei seiner Rettung Priester zu werden.[11]externer Link

Pfarrer Philipp Gloos war überall sehr beliebt und hat sich auch um die Erneuerung der Pfarrkirche Stangenroth große Verdienste erworben. Aufgrund seines medizinischen Studiums widmete er sich auch besonders der Krankenpflege und war den Alten und Bedrängten im ganzen Umkreis immer treuer Freund und Helfer. Besonders lag ihm die Homöopathie, die er gerne bei den armen Leuten kostenlos anwendete.

Am 25.1.1938 wurde Pfarrer Gloos anlässlich der Auflösung der Marianischen Kongregation und am 8.9.1939 bei der Auflösung des Frauenhilfswerks für Priesterberufe von der Gestapo verhört. Philipp Gloos war 31 Jahre als Pfarrer in Stangenroth tätig und wurde für seine Verdienste zum Ehrenbürger ernannt. Im Juli 1964 wurde Pfarrer Gloos in einem Bad Kissinger Krankenhaus wegen seiner Diabetes ein Bein amputiert. Da er nun seinen Pflichten als örtlicher Seelsorger nicht mehr nachkommen konnte, verabschiedete sich Pfarrer Gloos am Sonntag, den 1.11.1964 mit einer Abschiedspredigt im Stuhl sitzend von Stangenroth.[12]externer Link Anschließend  bezog er in einem Hochhaus des St. Bruno-Werks in Bad Kissingen eine Wohnung. Am 18.6.1968 verstarb Pfarrer Philipp Gloos in Bad Kissingen und wurde am Donnerstag, den 22. Juni 1968, unter sehr großer Beteiligung der Bevölkerung als 6. Pfarrer im Friedhof in Stangenroth beigesetzt.

Pfarrer Oswald GrätzAls15. und letzter Pfarrer wurde Oswald Grätz am 22.2.1965 in der Pfarrei Stangenroth begrüßt. Oswald Grätz war am 17.4.1907 in Rütschenhausen geboren. Nach seinem Theologiestudium wurde er am 12.3.1933 in Würzburg zum Priester geweiht. Als Kaplan verbrachte er seine Jahre in Würzburg, Lengfeld, Wiesentheid, Höchberg und Löhrieth. In Bundorf erhielt er am 12.12.1946 seine erste Pfarrstelle und wechselte am 14.2.1955 als Pfarrer nach Stadtlauringen.

In dieser Zeit, hatte er auch Schwierigkeiten mit dem NS-Regime. In Löhrieth wurde gegen ihn wegen angeblich verbotener Geldsammlung eine Verwarnung ausgesprochen und er musste 73,50 RM Strafe zahlen. Am 11.9.1939 wurde er anlässlich der Auflösung des Frauenhilfswerks für Priesterberufe im Auftrag der Gestapo verhört.[13]externer Link

Gleich zu Beginn seiner Zeit in Stangenroth wurde im Jahre 1965 entsprechend der neuen Liturgiereform die Kommunionbank aus der Kirche entfernt und der Chor für den neuen Volksaltar zum Schiff hin umgestaltet. Die gerade in den Wintermonaten recht kalte Kirche erhielt bald darauf eine Warmluftheizung. Dieser Änderung fielen leider die Nebenaltäre wegen Raummangels zum Opfer.

Im Jahre 1975 wurden vier neue Bronzeglocken (für das Eisenhartgussgeläute, das nach dem 2. Weltkrieg angeschafft worden war), von der Firma Perner in Passau erworben. Im Jahre 1977 stellte man fest, dass das Geläut zu leicht ausgefallen war und schaffte noch einmal eine schwerere Glocke mit über 30 Zentnern an. Dafür wurde die kleinste Glocke, die dem Hl. Wendelinus geweiht war, geopfert und eingeschmolzen. Die große Bronzeglocke mit einem sehr schönen Klang ist heute die schwerste Glocke im Markt Burkardroth. Bei dieser Gelegenheit wurden auch für alle Glocken Läutemaschinen eingerichtet. [14]externer Link

In seine Zeit fiel auch der Bau des neuen Kindergartens, bei dem die Kirche die Trägerschaft übernahm. Laut eines Berichts der Saalezeitung vom 15.4.1983 anlässlich seines 50 jährigen Priesterjubiläums wollte Pfarrer Grätz seinen Lebensabend eigentlich in Stangenroth verbringen. Er gab dann jedoch dieses Vorhaben auf und nahm nach fast zwanzigjähriger seelsorgerischer Tätigkeit am 29.7.1984 Abschied von Stangenroth. In seiner letzten Hl. Messe verabschiedete sich Pfarrer Grätz von seiner Pfarrgemeinde. Er bat um gegenseitiges Vergeben, da die Einigkeit nicht immer geschlossen war. Zur Erinnerung erhielt ein jeder Stangenrother ein Marienbild. Pfarrer Grätz wünschte seiner letzten Pfarrgemeinde, dass ihr religiöser Stand so bleiben möge. Zum Abschluss einer Feierstunde dankte er sichtlich gerührt für die Darbietungen und Geschenke, die er zur Erinnerung an Stangenroth erhalten hatte.[15]externer Link

Seinen Lebensabend verbrachte Pfarrer Grätz bis zu seinem Tod als Hausgeistlicher bei den Barmherzigen Schwestern im Haus St. Michael in Bad Kissingen.

Am 19.2.1993 erlag er in einem Bad Kissinger Krankenhaus im Alter von 85 Jahren einem Herzleiden und wurde nach seinem Willen am  25.2.1993 in Stangenroth als  7. Pfarrer mit großem Anteil der Bevölkerung feierlich  beigesetzt.[16]externer Link

Am 1.8.1994 übernahm der Premicher Pfarrer Karl Hauck zusätzlich die Pfarrgemeinde Stangenroth. Die Gottesdienste wurden dann abwechselnd von Pfarrer Karl Hauck, Pfarrer Anton Reinhard, Burkardroth und Monsignore Wilhelm Zirkelbach aus Bad Kissingen gehalten. Als Zirkelbach am 6.1.1997 verstarb, wurden die Sonntagsgottesdienste von Pfarrer Reinhard gehalten, bei den Werktagsgottesdiensten wechselte er sich mit Pfarrer Hauck ab. Als Pfarrer Hauck (am 4.10.1999) und Pfarrer Anton Reinhard (am 11.3.2001) in den Ruhestand gingen, übernahm Pfarrer Armin Haas aus Waldfenster mit anderen Ortschaften auch die Pfarrei Stangenroth.

Am 15.7.2007 wurde dann die Pfarrei Stangenroth durch Weihbischof Helmut Bauer aus Würzburg, in die an diesem Tag feierlich gegründete Pfarreiengemeinschaft „Der Gute Hirte im Markt Burkardroth“ aufgenommen. Somit hatte die Pfarrei Stangenroth ihre lang ersehnte und erkämpfte  Selbstständigkeit wieder verloren.

Burkardroth im Mai 2010, Alfred Saam

Quellen:
Diözesanarchiv Würzburg, Klerikerkartei
Pfarrer Anton Reinhard,
Protokollbuch der ehem. Pfarrei Stangenroth
Stadtarchiv Bad Kissingen
Pfarrarchiv Burkardroth
Saale Zeitung, KG.
Stangenrother Bürger: Erich Metz, Pius Voll, und Ludwig Wehner
Bilder: Archiv Alfred Saam
 

[1]externer Link DAW, Klerikerkartei und Aufzeichnungen v. Pfr. Reinhard
[2]externer Link DAW, Klerikerkartei u. Aufzeichnungen v. Pfr. Reinhard
[3]externer Link DAW, Klerikerkartei,
[4]externer Link Protokollbuch der ehem. Pfarrei Stangenroth
[5]externer Link Protokollbuch der ehem. Pfarrei Stangenroth
[6]externer Link Protokollbuch der ehem. Pfarrei Stangenroth
[7]externer Link Aufzeichnungen v. Pfr. Reinhard
[8]externer Link Ptotokollbuch der ehem. Pfarrei Stangenroth
[9]externer Link Protokollbuch der ehem. Pfarrei Stangenroth
[10]externer Link DAW, Klerikerkartei
[11]externer Link Mündliche Überlieferung Stangenrother Bürger
[12]externer Link Pius Voll, Stangenroth
[13]externer Link Lit.: DAW, GA. K 4, 5c,d, K1, Fasz. I /14
[14]externer Link Die Glocken vom Markt Burkardroth, v. Alfred Saam
[15]externer Link Saale Zeitung v. 15.4.1983
[16]externer Link Saale Zeitung v. 20.2.1993