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Apotheke in Burkardroth

Die Apotheke in Burkardroth

Wo heute am Marktplatz in Burkardroth das Sparkassengebäude mit der Apotheke steht, stand bis zum Jahre 1961 das schöne alte Apothekengebäude, das sehr gut zu den Baulichkeiten der Umgebung wie Kirche, Schule und Pfarrhaus um den Marktplatz passte. Beim Abbruch dieses Gebäude wurde ein Stein gefunden der die eingeschlagene Jahreszahl 1586 zeigt, wahrscheinlich die Entstehung dieses Hauses.


Apotheke Burkardroth bis 1961


Welche Funktion dieses Anwesen in seiner Entstehungszeit hatte, ist nicht mehr festzustellen, aber es ist kaum anzunehmen, dass es sich um ein einfaches Bauernhaus handelte das es dann nachweislich Mitte des 19. Jahrhundert war. Zu dieser Zeit es war ein landwirtschaftliches Gehöft, mit Wohnhaus, Stallung, angebauten Schweineställen, Holzhalle, Scheune, Backofen, Hofraum und Pflanzgarten beim Haus. 

Die ersten nachweisbaren Besitzer waren Caspar Faulstich aus Premich und seine Ehefrau Margaretha, geb. Baumeister aus Wollbach bei Neustadt. Caspar verstarb 68 jährig im Jahre 1835, seine Frau Margaretha, 72 jährig im Jahre 1848, beide in diesem Anwesen Hs. Nr. 81.

Nach dem Tod der Witwe Margaretha Faulstich veräußerten ihre Erben das Besitztum noch im gleichen Jahr an den aus Burkardroth 65, (Häfnergasse 29) stammenden Häfner, Valentin May der mit Anna Maria Vogel aus Premich verheiratet war, für 1.450 Gulden.

Am 2. Mai 1863 erwarb der ledige Apotheker Johann Bernhard Gros, dessen Herkunft unbekannt ist, das Häfnereianwesen für 2 500 Gulden und errichtete in Burkardroth die allererste Apotheke.  Johann Bernhard Gros blieb auch ledig und verstarb 54 jährig am 22.11.1870, in seinem Haus in Burkardroth.

Erbin des Anwesens das einen Wert von 4 000 Gulden hatte,  wurde die Rentbeamtenwitwe, (Finanzbeamtenwitwe) Dorothea Gros aus Würzburg im Juli 1871, die gleich darauf das Apothekeranwesen wieder veräußerte.

Der nächste Besitzer war der am 19.3.1842 in Arnstein geborene Apotheker Max Josef Heger. Im Juli 1871 erwarb er für 15 000 Gulden das Apothekeranwesen, am 1.7.1873 heiratete er in Escherndorf die in Escherndorf geborene Christina Schliermann und verstarb im Alter von nur 32 Jahren am 27.1.1875 in Burkardroth. Die Ehe war kinderlos geblieben.

Die Witwe Christina Heger welche die Apotheke im Wert von 15 000 ererbt hatte, heiratete nun am 18.11.1875 den am 18.7.1844 in Zeitlofs geborenen Apotheker Kilian Schipper, aus dieser Ehe entstanden 5 Kinder: Adam, Anna, Anton, Ludwig und Sabine.

Durch den Tod von Kilian Schipper am 11.12.1903, entstand nun zwischen der Witwe Christine Schipper und ihren Kindern eine Erbengemeinschaft. Nachdem die beiden Söhne Anton und Ludwig im 1. Weltkrieg gefallen waren und die Tochter Sabine im Alter von 16 Jahren bereits 1897 verstorben war, blieb das Erbe bei Christine Schipper, Sohn Josef Adam und Tochter Anna. Als am 11. September 1932 Christine Schipper verstarb, wurden Adam Josef Schipper und seine Schwester Anna im Jahre 1933 je zur Hälfte die Eigentümer.


Inzwischen hatte Anna Schipper, im Jahre 1921 den am 28.10.1879 in Leubach bei Fladungen geborenen Lehrersohn und Apotheker Maximilian Joseph Weegmann geheiratet, der nun die Apotheke weiterführte, die Ehe blieb kinderlos.


ehemaligen Apothekenbesitzer

Anna Weegmann,
geb. Schipper
geb. 19.12.1878
gest. 13.07.1959
Christine Schipper
geb. Schliermann
verw. Heger
geb. 06.07.1842
gest. 11.09.1932
Maximilian Weegmann
Apotheker von 1921-1948
geb. 28.10.1879 Leubach
gest. 30.06.1948

Ihr Bruder Adam hatte sich in Mönchengladbach niedergelassen und war auf dem weltbekannten Schloss Dyck beim Fürsten von Salm zum Schlossgartendirektor avanciert.

Als Apotheker Maximilian Weegmann am 30. Januar 1948 verstarb, musste seine Witwe Anna, um die Apotheke weiterführen zu können, fremde Apotheker beschäftigen die meist mit großem Misserfolg ihren Dienst taten. Nach elf Jahren der Fehlschläge verkaufte Anna Wegmann schließlich die Apotheke am 15.3.1949 an die unverheiratete Apothekerin Elisabeth  Ikielek die zuvor in einer Apotheke in Bad Kissingen beschäftigt war.

Elisabeth IkielekElisabeth Ikielek war am 8. Juli 1900 in Rosdin, Kreis Katowitz in Oberschlesien geboren. Ihre Eltern waren der Reichsbahnrevisor Franz und seine Frau Hedwig die am 23.7.1931 nach Bad Kissingen in die Kurhausstraße 65 zogen. Elisabeth kam am 1.10.1931 nach und wohnte dann in der gleichen Adresse bei ihren Eltern. Am 6.5.1932 verzog sie nach Velden a. d. Vils in Obb. und kehrte am 2.10.1932 wieder nach Bad Kissingen in die Kurhausstraße zurück. Am 21.11.1932 ging sie in ihre Heimat Oberschlesien nach Kandrzin zurück und arbeitete dort in der Trakehner-Gestüts Apotheke. Durch die Kriegswirren hervorgerufen kam sie am 15.12.1944 ins Pfarrhaus nach Zeil a.M. bevor sie 20.6.1946 wieder nach Bad Kissingen in die Theresienstraße 20 wechselte und in der Boxberger-Apotheke ihren Dienst versah. Durch den Tod des Burkardrother Apothekers Josef Weegmann, konnte sie von dessen Witwe Anna Weegmann die Apotheke erwerben und am 15.3.1949 übernehmen. Im Jahre 1957 ließ sie sich in der Friedrich Rückertstraße 10 in Bad Kissingen ein Wohnhaus bauen, das sie nach dem Verkauf ihrer Apotheke in Burkardroth an den Apotheker Josef Pich am 6.4.1967 bezog. Am 12. September 1979 verstarb Elisabeth Ikielek in Bad Kissingen, wo sie auch im Parkfriedhof ihre letzte Ruhe fand.
 

Josef Pich neben Muttergottes mit KindJosef Pich, der neue Inhaber der Apotheke, wurde am 27. Juli 1929 in Reichenberg, im damaligen Sudetenland geboren. Die Wirren des 2. Weltkrieges verschlugen seine Familie nach Bamberg. Nach seinem Studium in München und Berufsjahren  in Ingolstadt und Bayreuth machte er sich mit Ehefrau Charlotte und zwei Kindern im Kindergartenalter in der Rhön sesshaft.  Nach 4 Jahren krempelte er die alte Apotheke von Grund auf um. Sie bekam nach 140 JahrenApotheke 1971 endlich auch einen Namen. Die Namensgeberin, die Muttergottes mit Kind, eine ein Meter hohe Figur, die der Holzschnitzer Günther Metz, Langenleiten,  angefertigt hatte, schmückte fortan den Verkaufsraum, der mit altem Tongeschirr und Schnitzereien auf den ländlichen Rhöner Raum aufmerksam machte. Unter der Leitung von Apotheker Pich  entstand eine  moderne Apotheke, die EDV gestützt, den technischen Anforderungen einer Stadtapotheke entsprach. Mit einem ausgefeilten Lieferdienst wurde die Arzneimittelversorgung im großen Umkreis der Dörfer sichergestellt. In den folgenden Jahrzehnten bekamen viele junge Frauen in der Marien-Apotheke in Burkardroth die Möglichkeit einer Berufsausbildung. Sechs ständige Arbeitsplätze sorgten für berufliche Perspektiven. Nicht zuletzt verdankt die Markt- Gemeinde Burkardroth  ihre Bedeutung als Kleinzentrum im ländlichen Raume auch dem Vorhandensein einer  Apotheke. Josef Pich engagierte sich in vielen Vereinen und in der Kommunalpolitik. Im Besonderen ist zu erwähnen, dass er 15 Jahre lang den Vorsitz des Burkardrother Feuerwehrvereins führte und sein 12jähriges Engagement im Gemeinderat der Großgemeinde. 6 Jahre davon widmete er sich als 2. Bürgermeister den damals dringenden Gemeindeproblemen. Nach 38 Jahren, mittlerweile 76 Jahre alt, zog sich Apotheker Pich aus dem Berufsleben zurück  und verkaufte die Marien-Apotheke an Apotheker Ernst Maier. Seinen Wohnsitz behielt er in Burkardroth.

Ernst MayerAm 1. Januar 2006 erwarb der am 17. April 1960 in Schweinfurt geborene Ernst Maier von Josef Pich die Marien-Apotheke Burkardroth als Filial-Apotheke der Stadt-Apotheke in Gerolzhofen. Laut Apotheker Ernst Maier ergeben sich durch diesen Verbund organisatorische Vorteile in der Organisation der Apotheke. Sein Ziel ist es, auch langfristig den Erhalt der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln im ländlichen Bereich zu sichern.
neue Apotheke  2007 Sebastian Heck

Ein Jahr nach der Übernahme im Jahre 2007 wurde die Apotheke komplett umgebaut, insbesondere die Offizin vergrößert. 2008 wurde die Marien-Apotheke lt. Herrn Maier erstmalig nach DIN ISO 9001 zertifiziert, also ein Qualitätsmanagement eingeführt. Im Dezember 2010 erfolgte dann eine weitere Umstellung auf ein neues, sehr modernes EDV-System.


Bei der Übernahme der Apotheke durch Ernst Maier wurde Frau Marion Eisold Filialleiterin, danach folgte ihr Dr. Otto Späth für ein halbes Jahr. Seit September 2010 hat nun der Apotheker Sebastian Heck die Filialleitung. Mit ihm sind noch weitere sechs weibliche Angestellte in der Marienapotheke Burkardroth beschäftigt.

März 2012, Alfred Saam

 

 

 

Bilder: Archiv Alfred Saam